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Signierte Cover : Kraftwerk

 

7” : Autobahn

7” : Die Roboter

7” : Das Model / The Model

7” : Das Model / Neollights

12” : Neonlights

 

LP : Autobahn

LP : Computerwelt

LP : Doppelalbum :

LP : Electric Café

LP : German Kraft

 

LP : Radio Aktivität

LP : Radio Aktivität

LP : The Man Machine

LP : The Mix

LP : Trans Europa Express

 

 

Kraftwerk ist eine deutsche Musikgruppe aus Düsseldorf, die 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet wurde. Kraftwerk gilt als wesentlicher Mitbegründer der Düsseldorfer Schule in der elektronischen Musik.

Kraftwerk ist vor allem durch Pionierarbeit auf dem Gebiet des Elektropop (und Krautrock) bekannt geworden. Musikstücke von Kraftwerk beeinflussten zahlreiche Musikstile wie Synth-Pop, Electro-Funk, Detroit Techno und übten ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die Anfänge des Hip-Hop aus. Die New York Times bezeichnete Kraftwerk 1997 als die „Beatles der elektronischen Tanzmusik“.

1968 gründeten Ralf Hütter und Florian Schneider die Gruppe Organisation (kurz für Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikkonzepte), den Vorläufer von Kraftwerk, die nur ein Album, Tone Float, hervorbrachte. Anfang 1970 richteten sie ihr Kling-Klang-Studio ein und starteten das Musikprojekt Kraftwerk. Das Album Kraftwerk wurde im Juli und August mit den Studioschlagzeugern Klaus Dinger und Andreas Hohmann aufgenommen und durch das Philips-Label veröffentlicht. Das Album stieg bis auf Platz 30 der deutschen LP-Charts. Der Titel Ruckzuck wurde als Titelmusik für die Sendung Kennzeichen D ausgewählt. Ralf Hütter verließ Ende 1970 für einige Monate Kraftwerk, um sein Architekturstudium zu beenden. Am 26. Dezember gab Kraftwerk ein Konzert in der Besetzung Florian Schneider-Esleben, Eberhard Kranemann (Bass, Cello), Charly Weiss (Schlagzeug).

Durch den Einstieg des Gitarristen Michael Rother und Klaus Dinger als Ersatz für Charly Weiss bestand Kraftwerk Anfang 1971 für ein paar Monate aus Schneider, Hohmann, Kranemann, Rother und Dinger. Im Studio von Conny Plank wurde eine Session aufgenommen, die aber nie veröffentlicht wurde. Als Trio (Schneider, Dinger, Rother) hatte Kraftwerk in der Sendung Beat-Club mit dem Song Rückstoß Gondoliere einen Live-Auftritt im deutschen Fernsehen. Ende 1971 nahmen Ralf Hütter und Florian Schneider Kraftwerk 2 zwischen dem 26. September und dem 1. Oktober in ihrem eigenen Studio auf. Kraftwerk tourte fast ununterbrochen von 1971 bis 1972 in der Besetzung Plato Rivera, Florian Schneider, Ralf Hütter und Emil Schult.

Das zweite Album Kraftwerk 2 erschien im Januar 1972 bei Philips. Kraftwerk wurde durch das Magazin Sounds zur beliebtesten Band des Jahres gewählt. Florian Schneider belegte den zweiten Platz in der Rubrik Musiker des Jahres und der Titel Ruckzuck wurde Song des Jahres.

Das dritte Album Ralf und Florian entstand im Juli 1973 und wurde im Oktober auf dem Philips-Label veröffentlicht. Der Verlag Kling-Klang wurde von Ralf Hütter und Florian Schneider gegründet. Wolfgang Flür wurde als Schlagzeuger für den Fernsehauftritt in aspekte im ZDF verpflichtet.

Die ersten drei Kraftwerk-Alben von Hütter und Schneider waren noch teilweise akustisch und experimentell ausgerichtet, bis sich Kraftwerk 1973 entschloss, den Kraftwerk-Sound ausschließlich elektronisch zu gestalten und melodische Pop-Elemente zu integrieren. Das Ergebnis war das Album Autobahn, das nach Meinung vieler Experten einen Wendepunkt bedeutete und als erstes Album des Elektropop gilt. Die Songs bestehen zunehmend aus reduzierten Melodiefragmenten, die sich mit Phasen von Soundeffekten abwechseln, ein Merkmal, das bis heute im Wesentlichen die Musik von Kraftwerk bestimmt. Zudem integrierten Hütter und Schneider erstmals gesungene Melodien, die sich durch eine von allen Emotionen befreite, „kalte“ Singweise (Sprechgesang) auszeichnen. Autobahn war das letzte Kraftwerk-Album, das bei Philips erschien. Für Autobahn erhielt Kraftwerk erstmals weltweit Goldene Schallplatten und die Single-Auskopplung des Titelstückes erklomm in den USA die Billboard-Charts. Beflügelt durch den großen Erfolg gründete Kraftwerk 1974 ihr durch das Musiklabel EMI unterstütztes eigenes Kling-Klang-Label.

Im Februar 1975 verließ Klaus Röder die Band. Er wurde durch den Schlagzeuger und Studiomusiker Karl Bartos ersetzt. Im Sommer 1975 wurde das Album Radio-Aktivität aufgenommen, das im November 1975 erschien. Erneut hatte Kraftwerk mit der Auskopplung des Titelsongs Erfolg: Radio-Aktivität stand im Frühsommer 1976 wochenlang auf Position 1 der französischen Charts. Hütter und Schneider besuchten daraufhin mit dem Trans-Europ-Express mehrmals Frankreich, wo der begeisterte Radrennfahrer Ralf Hütter die Einladung annahm, als Beobachter die Tour de France zu begleiten.

Ende 1976 nahm Kraftwerk das sechste Album Trans Europa Express auf, das im ersten Quartal des Jahres 1977 veröffentlicht wurde. Schon kurz nach der Veröffentlichung wurde der Titelsong Trans Europe Express in den Ghettos von New York populär und übte Einfluss auf frühe Hip-Hop-DJs wie Afrika Bambaataa aus; so wurde er für einige zur Blaupause für ihren Grundrhythmus.

Nach fünf Jahren Fernsehabstinenz kehrte Kraftwerk am 29. März 1978 im ZDF auf den Bildschirm zurück. Als lebende Roboter (mit grauen Hosen, roten Hemden, schwarzen Krawatten mit sequenzierenden roten LEDs) präsentierten sie der Öffentlichkeit die neue Single (Wir sind …) Die Roboter. Im April 1978 erschien das nächste Kraftwerk-Album Die Mensch-Maschine mit dem Hit Das Model. Erneut setzte dieses Album Maßstäbe für die Musikindustrie und die folgenden Musikstile.

Als Gruppen wie Depeche Mode oder Ultravox, sich am Sound von Die Mensch-Maschine orientierend, erfolgreich wurden, hatte sich Kraftwerk bereits weiterentwickelt. Das achte Album Computerwelt erschien 1981. Computerwelt gilt deshalb als wichtiger Vorläufer der Musikrichtungen Electro und Techno. 1981 ging Kraftwerk auf eine große Welttournee und konnte vor allem in Japan große Erfolge feiern. Eigens für die Tour ließ sich Kraftwerk vier den Gruppenmusikern identisch nachgebildete Roboter bauen, die bei diversen Promotion-Auftritten die echten Musiker ersetzten.

Im Juni 1983 erschien die Single Tour de France. Die Veröffentlichung des 1983 nahezu fertig produzierten Albums Techno Pop wurde verworfen. Die darauf enthaltenen Tracks erschienen, stark verändert und erstmals in digitaler Produktionstechnik, im November 1986 unter dem Titel Electric Café. Das Video zum ausgekoppelten Titel Musique Non Stop wurde im Institute of Technology in New York produziert und beim Musiksender MTV in stündlicher Wiederholung gezeigt. Als zweite Auskopplung wählte man das von Karl Bartos gesungene Der Telefonanruf.

Das gesamte Klangmaterial im Archiv des Kling-Klang-Studios wurde auf digitale Technik umgestellt, was sich auch auf die Bühnenshow auswirkte. Im Juni 1991 erschien der Remix von Die Roboter als Single (Top 10 der Charts in Deutschland, Frankreich, USA und Japan). Karl Bartos indessen verließ die Band vor Veröffentlichung des zehnten Albums The Mix. Es enthält neu digital produzierte und gemischte Klassiker.

Im Juli begann Kraftwerk eine ausgedehnte Europatour mit den neuen speziell entwickelten beweglichen Robotern, die auch bei Fernseh- und Fototerminen und bei Videos präsentiert wurden. 1992/93 steuerte Kraftwerk eine Titelmusik zur MTV-Sendung Music Non Stop bei, wobei es sich nicht um eine Variation des gleichnamigen Titels aus der TechnoPop-Ära zwischen 1983 und 1986, sondern um eine völlig neue Komposition handelte.

Auch gab es weitere Konzertserien und einen Auftritt im Rahmen einer großen Greenpeace-Aktion im Jahre 1992 sowie 1993 Konzerte bei der Ars Electronica in Linz (A) und der KlangArt-Biennale in Osnabrück. Parallel spielte in Linz das Balanescu-Quartett seine Interpretationen der Kraftwerk-Klassiker. Es folgten 1997 Konzerte auf dem Electro-Festival Tribal Gathering 1997 und zur Eröffnung des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.

Florian Schneider wurde am 5. Februar 1998 als Professor für Medienkunst und Performance an die Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) berufen. 1998 folgte eine weitere Welttournee durch Japan, USA, Europa und erstmals Südamerika mit Auftritten auf dem Sonar-Festival in Barcelona und dem Roskilde-Festival in Dänemark.

Kraftwerk meldete sich 1999 mit dem Jingle (und einer dazugehörigen Single inklusive Remix von dem Detroiter Technoprojekt Underground Resistance) für die Expo 2000 in Hannover zurück. 2002 fanden in der Besetzung Hütter, Schneider, Hilpert und Schmitz die ersten Konzerte mit rein virtueller Technik in der Cité de la Musique in Paris statt. Die umfangreiche Hardware der 1990er-Jahre wurde auf vier Laptops mit einigen zusätzlichen MIDI-Controllern reduziert. Gespielt wurde von nun an auf Software-Synthesizern und -Sequencern. Nach dem Auftritt auf dem Electraglide Festival in Tokio und Osaka im Dezember folgte eine Australien-Tour im Frühjahr 2003.

Kraftwerk veröffentlichte nach der Tour de France 2003 das Konzeptalbum Tour de France Soundtracks. Es war das erste der Band, das sofort Platz 1 der deutschen Albumcharts erreichte. Mit Tour de France Soundtracks knüpfte Kraftwerk thematisch an den bereits 1983 erschienenen Song Tour de France an und verliehen so ihrer Leidenschaft für den Radsport Ausdruck.

2004 setzte Kraftwerk die Welttournee fort. Die Tour war nahezu ausverkauft und umfasste insgesamt 105 Konzerte bis Mitte 2005. Am 6. Juni 2005 erschien zeitgleich mit dem letzten Tourabschnitt die Doppel-Live-CD/4-fach-Vinyl-Box mit dem Titel Minimum-Maximum. Für dieses Album wurde Kraftwerk für die Grammy Awards 2005 in der Rubrik Best Electronic Dance Album nominiert. Die Doppel-DVD im DTS-Format mit gleichnamigem Titel, sowie eine mit Notebook betitelte Box mit CD, DVD und 88-seitigem Buch zur Tour, erschien am 2. Dezember 2005. Eine Veröffentlichung als Doppel-SACD ist ebenfalls erfolgt.

2006 ging Kraftwerk in der Besetzung Hütter, Schneider, Schmitz und Hilpert auf eine Sommer-Tour mit Auftritten in Bergen, Oslo, Saalburg (SonneMondSterne), Pardubice (Summer of Love) und Gent (I Love Techno).

Die Kraftwerk-Tour 2008 mit Konzerten in den Vereinigten Staaten, Polen und Irland fand in der Besetzung Hütter, Schmitz, Hilpert und Stefan Pfaffe (als Video-Operator), ohne Florian Schneider, statt. Im November und Dezember wurden weitere Auftritte, unter anderem in Australien und Neuseeland, absolviert. Kurz nach den Konzerten gab Florian Schneider seinen Austritt bekannt. Dies wurde nun offiziell durch einen Sprecher des Musiklabels EMI bestätigt. Für diverse Festival-Auftritte im Jahr 2009 wurden einige Songs aus der Set-Liste entfernt, die anderen Stücke wurden in verkürzten Versionen gespielt. Ebenfalls 2009 wurden alle Alben von Autobahn bis Tour de France unter dem Titel Kling Klang Digital Remaster 2009 wiederveröffentlicht. Dabei wurden die vier in den 1970er-Jahren erschienenen Alben jeweils mit neuen Covergestaltungen versehen, die damals schon für die Veröffentlichungen vorgesehen waren. Weiterhin wurde der Name „Electric Cafe“ in, wie ursprünglich geplant, „Techno Pop“ geändert.

Von 15. Oktober bis 13. November 2011 stellte der Kunstbau der städtischen Galerie im Lenbachhaus in München unter dem Titel Kraftwerk 3-D eine mehrkanalige 3D-Videoinstallation aus. Zur Eröffnung der Ausstellung gab Kraftwerk drei ausverkaufte Konzerte in München, in denen die Band erstmals die komplette Aufführung vor einer 3D-Videoprojektion spielte. Seitdem ist die Band mit ihrem 3D-Konzept auf Tour.

2012 spielten sie acht Konzerte (zu jedem ihrer Alben jeweils eines) im Museum of Modern Art (MoMa), in New York, die ebenfalls binnen kurzer Zeit ausverkauft waren. 2013 wurde dieses Konzept an einigen anderen Orten aufgeführt. Im Umfeld der Auftritte in Düsseldorf fand dabei erstmals ein wissenschaftlicher Kongress zum Phänomen Kraftwerk, sowie eine Fotoausstellung mit Bildern von ihrem Bandfotografen Peter Boettcher statt. Hier stand auch erstmals Falk Grieffenhagen, der unter anderem mitverantwortlich für die Umsetzung des 3D-Konzeptes gewesen war, an Stelle von Stefan Pfaffe auf der Bühne.

Mitte 2013 gab Sprüth Magers bekannt, dass Kraftwerk im Juli und August in der Galerie in Berlin eine ähnliche 3D-Ausstellung wie im Lenbachhaus präsentieren wird.

Am 26. Januar 2014 wurde ihnen, neben den Beatles und weiteren Künstlern, der Grammy Award für ihr Lebenswerk verliehen. Im Mai 2014 präsentierte die Band im Rahmen der Wiener Festwochen die 3D-Konzertreihe Katalog in acht ausverkauften Konzerten im Burgtheater.

Im Januar 2015 wurde die Reihe der acht Konzerte in der Neuen Nationalgalerie in Berlin aufgeführt.

Am 26. Mai 2017 veröffentlichte Kraftwerk 3-D Der Katalog. Die neuen Aufnahmen der acht offiziellen Alben entstanden von 2012 bis 2016 weltweit bei Konzerten in 13 Städten. 3-D Der Katalog liegt auf vier verschiedenen Medien vor: Langspielplatte (Doppelalbum und Box-Set mit allen acht Alben), CD (8 Disk Box-Set), Blu-ray 3D (2D kompatibel) und DVD. Die komplette Vinylausgabe enthält zusätzlich eine Download Card.

Am 1. Juli 2017 spielten Kraftwerk anlässlich des Grand Départ der Tour de France 2017 ein Open-Air Konzert vor 15.000 Zuschauern im Ehrenhof in ihrer Heimatstadt Düsseldorf.[19] Am 28. Januar 2018 wurde Kraftwerk für 3-D Der Katalog der Grammy in der Sparte „Bestes Dance-/Electronic-Album“ verliehen.

Im Juli 2018 wurde der deutsche Astronaut Alexander Gerst bei einem Konzert in Stuttgart zugeschaltet. Kraftwerk und Gerst spielten dabei das Lied „Spacelab“ aus dem Jahr 1978 als Duett. Allerdings ist die deutsche Formation nicht die erste Gruppe mit einer Liveschaltung in den Weltraum gewesen, zuvor hatte der kanadische Raumfahrer Chris Hadfield 2013 aus dem All an einem Konzert mit einem Chor auf der Erde vor Livepublikum teilgenommen. Kraftwerk hingegen waren mit ihrem Auftritt das erste Musikensemble, das ein Lied mit einem Astronauten dargeboten hat, der dabei einen Alltagsgegenstand („Tablet“) verwendete.

Die Band inspirierte unzählige Künstler, darunter David Bowie, Dr. Dre, Siouxsie and the Banshees, Joy Division, The Jesus and Mary Chain, Primal Scream, Björk, Human League, Depeche Mode, Duran Duran, Alphaville, O.M.D., Rammstein, Ultravox, Moby, New Order (Krafty) und Front 242. Außerdem haben sie einen großen Einfluss in der US-amerikanischen Electro-Funk-Szene (Afrika Bambaataa). Der Einfluss von Kraftwerk erstreckte sich später auch auf die Detroit-Techno-Szene, die von Kraftwerks minimalistischen Arrangements und ihren tanzbaren Beats vor allem in der Anfangszeit stark geprägt wird. Jeff Mills und Derrick May, zwei der bedeutendsten Pioniere der Detroit-Techno-Szene, berufen sich direkt auf Kraftwerk als Inspirationsquelle für ihr künstlerisches Schaffen.

Auch Jahre später inspirierte Kraftwerk noch andere Musikkünstler. 1994 veröffentlichten slowenische Bands ein Kraftwerk-Tributealbum mit dem Titel „Trans-Slovenia-Express“. Das Projekt wurde 2005 mit „Trans-Slovenia-Express Vol.2“ fortgesetzt (Beide CDs: Mute Records). So sind charakteristische Sequenzen in Musikstücken wie Jay-Z feat. Foxy Browns – Sunshine (Die Mensch-Maschine) oder Coldplays – Talk (Computerliebe) wiederzufinden. 2000 veröffentlichte Uwe Schmidt alias Señor Coconut das Album El Baile Alemán, welches ausgewählte Stücke Kraftwerks als Latin-Versionen neu interpretiert.

Während der letzten Jahre hat die Düsseldorfer Formation Kraftwerk einen bemerkenswerten Prozess hin zum postmodernen Gesamtkunstwerk vollzogen. Ausgehend von der Ausstellung ausgewählter Videoprojektionen im Münchner Lenbachhaus (2011) bis zu Werkretrospektiven, die seitdem u. a. im MoMA New York, der Londoner Tate Modern, dem Burgtheater in Wien oder in der Berliner Neuen Nationalgalerie stattfanden, inszenierte Kraftwerk sich als Kunstobjekt. Mit der Änderung der Plattform von der Konzertbühne ins Museum hat die Band erneut ihre Fähigkeit Trends zu setzen unter Beweis gestellt.

Der 2019 veröffentlichte Titel Radio von Rammstein ist eine deutlich erkennbare Hommage an Radioaktivität. Auch das zugehörige Musikvideo enthält typische Kraftwerk-Motive wie vier hinter Keyboards stehende Musiker.

Kraftwerk entwickelte mit der Zeit ein griffiges Image-Konzept, mit dem sie sich deutlich von anderen elektronisch orientierten Rock- und Popbands abgrenzten. Schon der Name deutet auf das Hauptthema ihrer Songs, die moderne Technik und ihre Beziehung zum Menschen, hin. Mit dem Albumtitel Die Mensch-Maschine lässt sich ihr Image am besten beschreiben. Dem Personen- und Starkult setzte Kraftwerk das Konzept der Entpersonalisierung entgegen.

Ralf Hütter beschreibt sich häufig als Musik-Arbeiter, die einzelnen Bandmitglieder treten hinter dem Bild der Gruppe als System, als Maschine, zurück. Als Ausdruck dieses Konzepts kann man die Gewohnheit der Gruppe ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre betrachten, Puppen und Roboter, die die Bandmitglieder darstellen, bei Presseauftritten anstatt der wirklichen Bandmitglieder fotografieren zu lassen. Auch bei Liveauftritten werden die echten Musiker zum Teil von den Bandrobotern ersetzt. Mit diesem „Mensch-Maschinen“-Image spielt die Band gerne humorvoll herum, was die diversen Fotos auf den Albumcovern und bestimmte phrasenhafte Aussagen der Bandmitglieder bei Interviews beweisen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass sie sich schon von Anfang an eindeutig zu ihrer deutschen kulturellen Identität bekennen und ihre Songtitel im Gegensatz zu den meisten anderen Bands der 1960er und 1970er Jahre auf Deutsch formulieren. Später lockerten sie diesen Grundsatz allerdings etwas auf und veröffentlichten ihre Titel grundsätzlich in mehreren Sprachen. Auf Radio-Aktivität wurden einige Lieder zweisprachig gesungen, ab Trans Europa Express erschienen ihre Alben mit Ausnahme von Tour de France Soundtracks als deutsche und englische Version. Bei Live-Auftritten außerhalb des deutschsprachigen Raumes singen sie gelegentlich in der Sprache ihres Gastlandes, unter anderem bereits auf Japanisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Russisch.

 

 

Interview aus dem Jahr 1987 :

 

“Diese Frage wird Euch sehr wahrscheinlich immer wieder gestellt : Warum hat es fünf Jahre gedauert, bis wieder etwas Neues von Euch erschienen ist? - Deshalb frage ich andersherum : Was habt Ihr in den letzten fünf Jahren gemacht?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben an zwei Projekten gearbeitet. Das eine war der “Tour de France” Song. Eigentlich war in diesem Zusammenhang ein Soundtrack zu einem Spielfilm geplant. Der Film ist aber verschoben worden. Beim zweiten Project handelt es sich um das Electric Café-Album.”

“Dann ist da also noch eine Langspielplatte unterwegs?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Jein, es existiert momentan nur die “Tour de France” Maxi und da der ganze Film in den Wolken steht, haben wir an dieser Sache noch nicht weitergearbeitet.”

“Das war doch nicht eure einzige Beschäftigung?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein. Als die ganze CD-Technik kam, haben wir viele Sachen neu aufgenommen. In dieser Periode zwischen ´81 und jetzt wurde bei uns auch sehr viel umgestellt. Das erklärt auch die lange Phase bis zur neuen LP, obwohl wir praktisch die ganze Zeit durchgearbeitet haben.”

“War dieser “Tour de France” Song eure eigene Idee, oder war es eine konkrete Auftragsarbeit?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein. Wir sind selbst große Radfans und da lag es nahe einen solchen Song zu komponieren. (ganz stolz) Ich habe übrigens das Schweizer Alpenprevet, das mit den vier Alpenpässen!

Damals war wie schon erwähnt ein Spielfilm mit Dustin Hoffmann geplant. Man hatte uns über eine Kontaktperson angefragt, ob wir nicht die Musik zu diesem Streifen komponieren wollen. Doch dann stieg Dustin Hoffmann aus und der Film wurde erst einmal verschoben. Die Single-Version unseres Liedes existierte jedoch schon und wurde dann als offizielle Erkennungsmelodie der “Tour de France” verwendet.”

“Ihr habt einmal in einem älteren Interview gesagt, dass Ihr alles selbst macht. Von der Musik über das Platten-Cover bis hin zum Video. Auf der neuen LP steht nun, dass die Computergrafiken vom New Yorker “Institute of Technology” stammen. Habt Ihr da auch mitgearbeitet?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Wir haben vor mehreren Jahren einen Bericht über dieses Computergrafik Institut gelesen und setzten uns mit diesen Leuten dort in Verbindung. Wir haben dann eine Künstlerin, die dort gestalterisch arbeitet, kennengelernt. Sie kannte bereits unsere Musik und es ergab sich dann eine Art kreative Symbiose.”

“Ihr seid Euch mit dem neuen Album sehr treu geblieben. Man merkt auch das sehr viel Arbeit und Überlegung dahintersteckt. Ist Euch noch nie die Idee gekommen, eine weniger durchdachte LP auf den Markt zu bringen, einfach des Geldes wegen? Also quasi ein Schnellschuss?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wenn wir das gewollt hätten, dann hätten wir das auch schon vor zehn Jahren machen können. Das ist für uns gar kein Thema. Wir arbeiten von morgens bis abends in unserem Kling-Klang-Studio und das Ergebnis unserer Arbeit kann man auf den Kraftwerk Platten anhören.”

“Das Kling-Klang-Studio ist euer eigenes ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, es ist nicht irgend ein standardisiertes Studio wo heute der und morgen ein anderer spielt. Bei uns läuft kein Taxameter im Hintergrund.”

“Ich kann mir vorstellen, dass man nicht so gestresst arbeiten muss, da ein eigenes Studio ja fast nichts kostet.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Natürlich müssen wir auch Strom und Miete bezahlen ... .”

“Aber das steht ja nicht in einem Verhältnis zu den normalen Studiokosten, wo man weiß, wenn man heute etwas nicht fertigstellt, dann hat man weitere fünftausend Mark verloren.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das ist richtig. Wir haben unser Studio seit 1970 und es ist immer mit uns gewachsen. Das ist praktisch unsere Werkstatt. Es gibt auch immer was neues zu tun.”

“Während Eurer Absenz in den letzten Jahren ist musikalisch einiges gelaufen. Ich denke da an die “Neue Deutsche Welle”. Ist das spurlos an Euch vorüber gegangen, oder habt ihr davon überhaupt Notiz genommen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, schon. Wir waren damals in Deutschland auf Tournee. Und überall sprießten neue Bands aus dem Boden. Aber irgendwie haben die alle nicht weitergemacht. In der Schweiz gab es ja auch Bands. Jede Welle flacht auch irgendwann wieder einmal ab, aber von dieser Welle ist anscheinend nicht mehr sehr viel übrig geblieben. Anscheinend sind alle wieder zurück ins Büro gegangen. Dabei waren ein paar wirklich gute Bands mit dabei. Aus der Schweiz kam ja diese Gruppe mit dem “Eisbär”-Lied.”

“Ja, die Gruppe Grauzone. Heute ist Stefan Eichler solo und hat großen Erfolg in Europa, vor allem in Frankreich.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ach ja? Finde ich toll!”

“Es gibt viele Gruppen, die sagen, sie seien von Kraftwerk beeinflusst worden. Habt Ihr auch Gruppen, die Euch auf irgend einer Art und Weise beeinflusst haben?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Man kann nicht sagen, dass uns etwas einzelnes oder eine spezielle Band beeinflusst hat. Ich glaube am stärksten sind wir von unserer Umwelt, unserem Umfeld beeinflusst worden. Also von der Technik und den Psychischen Auswirkungen auf die Lebensformen. Natürlich auch von unserer Arbeit mit den Musikmaschinen. Viele unserer Lieder berichten tatsächlich von unserer Arbeit. Damit meine ich Songs wie “Taschenrechner”.”

“Hattet Ihr auch schon das “Aha-Erlebnis”, wenn ihr in Songs von anderen Gruppen Sequenzen aus Euren Liedern herausgehört habt?

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Wir finden das irgendwie toll zu beobachten, wenn Dinge, die wir gemacht haben plötzlich in der schwarzen Musik auch New York Früchte tragen. So war “Trans-Europa-Express” eine der Urscheiben des Rap. Und dann später diese Bambaataa und haben die “Metall auf Metall”-Musik in eine ganz andere Interpretation gebracht. Als Verschmelzung mit der schwarzen Rock-Musik. Das ist schon toll.”

“Aber Kraftwerk, der Name Kraftwerk ist für viele Bands eine lebende Legende. Empfindet ihr das nicht auch so? Wie lebt man als Legende? Es tönt jetzt vielleicht etwas blöd ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir arbeiten einfach immer weiter.”

“Habt ihr nicht Angst von der Zeit überholt zu werden? Bis jetzt seid ihr immer der Zeit voraus gewesen. Und nun gibt es viele neue, junge Gruppen, die vieles von Euch übernommen haben und sich auch selbst weiterentwickelt haben. Wie läuft das kommerziell?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben einen festen Kreis von Leuten, die sich halt für uns interessieren. Natürlich sind das einmal mehr und einmal weniger, aber wir sind nicht von einem Bildzeitungs-Tagesereignis abhängig.”

“Das merkt man ja auch daran, dass Ihr fünf Jahre keine Platte herausgebt und dann trotzdem wieder so einen Erfolg haben könnt. - Eure Musik war sehr lange revolutionär. Gibt es heute Gruppen, wo Ihr sagen könnt, die ist revolutionär oder die beschreiten musikalisch einen neuen Weg. Oder fühlt Ihr Euch selbst als die neuen Wegbeschreiter?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir reflektieren das nicht so. Wir stecken mittendrin in unserer Arbeit, bauen Instrumente um und bereiten Tourneen vor. Es kommt eines nach dem anderen. Natürlich fehlt da eine objektive Betrachtungsweise.”

“Habt ihr nie Angst an einem bestimmten Tag an ein Ende, einen Endpunkt zu gelangen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich glaube den gibt es sowieso nicht. Das haben wir auch versucht in unseren Texten auszusagen : “Es wird jetzt immer weitergehn, Musik als Träger von Ideen”. In diesem Satz steckt die Aussage, ein bisschen poetisch formuliert drin.”

“Wie wird es weiterghen? Ihr habt die Zukunft sehr früh als sehr technisch dargestellt. Das war ja auch vorauszusehen. - Doch dank dieser Technisierung gibt es für viele Leute keine Zukunft mehr. Ich denke da an die vielen Arbeitslosen in Europa.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich sehe das nicht so. Das wäre eine depressive Grundstimmung, der wir nicht zustimmen können. Ich glaube es gibt immer wieder neue Wege.”

“Wo seht ihr die Lösungs-Möglichkeit für die Arbeitslosigkeit?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist eine schwere gesellschaftliche Sache, natürlich. Aber ich glaube, dass ganz neue Tätigkeiten geschaffen werden können. Ein Großteil der Tätigkeiten in der heutigen Arbeitswelt ist reproduktiv. Auf dem Musiksektor ist das jedenfalls so. Indem man diese Arbeiten automatisiert, können neue Energien freigesetzt werden. Man kann kreativer sein und muss nicht immer das Alte aufwärmen. - Es reicht doch, wenn von einem historischen Musikstück eine gute Aufnahme da ist. Wenn einer das hören will, dann kann er das. Es muss ja nicht jeden Tag wieder neu geprobt und aufgenommen werden. Diese ganze subventionierte Kultur ist doch Ballast. Was uns fehlt ist nämlich nicht das, sondern diese ganze Energie, die da in der Gegenwart fehlt. Wo ist die zeitgenössische kreative Musik? Warum hat jede Stadt ein Opernhaus und ein eigenes Orchester? Das hätte alles seine Berechtigung, wenn es einigermaßen im Gleichgewicht mit der Veröffentlichung von zeitgenössischer Musik stehen würde. Aber es gibt nichts dergleichen. Und das ist schon ein Unterschied zu einer Stadt wie New York zum Beispiel, wo die Typen mit ihrer Drummaschine an der Ecke stehen und das Tagesgeschehen kommentieren, wo das alles irgendwie lebt. Wir haben auch immer versucht in unserer Musik die Zusammenhänge zwischen Technik und Leben aufzuzeigen. Bei “Taschenrechner” kommt das glaube ich recht gut zum Ausdruck. Viele Leute kennen den Taschenrechner eben nur um ihre Rechnungen damit auszurechnen oder die Bankbelege zu überprüfen, aber damit kann man auch Musik machen. Genauso mit Computern.”

“Ja, in New York ist das schon etwas anderes. Aber ihr kommt ja aus Düsseldorf. Hier bei uns in der Schweiz sagt man den Düsseldorfern übrigens eine gewisse Spontanität nach. Düsseldorf gilt ein bisschen als Szene-Stadt Deutschlands.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, aber auch Köln. Das ist ein ganzes Einflussfeld. Amsterdam, Brüssel, Paris; wir sind da auch beweglich. Es ist also nicht so, dass man die Musik auf der Strasse findet, aber für uns ist es ein gutes Arbeitsklima, weil da auch ein gewisser Grauschleier ist.”

“Habt Ihr Kontakte in der Düsseldorfer Szene?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, wir haben schon Freunde. Nicht nur im Musikbereich. Auch in Kunst und Wissenschaft. Wir sind eben auch viel unterwegs. Die Spezialisierung, dass Musiker nur Musiker treffen etc. ist sowieso langweilig.”

“Diese Bekanntschaften, sind das alte Freunde? Ich hab´ mal gelesen, dass Ihr durch Eure Arbeit viele Freunde verloren habt, weil ihr so extrem wart.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das stimmt, wir haben nicht sehr viele Freunde, doch mit denen dafür ein sehr intensives Verhältnis.”

“Wenn Kraftwerk ein Maler wäre, wie würde er dann heißen? Könnte man vielleicht Warhol als ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das sind sicherlich Parallelen zu ziehen mit Reproduktion und Vervielfältigung. Da sind schon Tendenzen. Um Warhol hat sich ja auch immer ein Team gebildet.”

“Arbeitet Ihr auch im Team?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Es sind allerdings nicht immer vier Leute anwesend. Aber jeder ist mit etwas beschäftigt. Ich sitze hier in München und mache Interviews und der Florian bastelt in Düsseldorf am Computer herum. Das ist eine Art Arbeitsteilung.”

“Ihr seid vom Image her die Volltechniker. Der Glaube an die Technik ist bei Dir schon immer noch voll da oder gibt es für Dich in gewissen Bereichen nicht ein “zurück zur Natur”?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist kein Glaube. Das ist der tägliche Umgang mit der Technik. Zum Beispiel mit diesem Kassetenrecorder, der jetzt mitläuft. Ohne den müsste ich langsamer sprechen oder jemand müsste unheimlich schnell schreiben. Es ist einfach eine Erleichterung. Man kann so schnell sprechen wie man will und das Gerät nimmt das auf. Wenn da immer einer mitschreiben müsste, gäbe das eine ganz andere psychische Situation.”

“Die Technik also als Freund des Menschen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir versuchen Möglichkeiten aufzuzeigen, wo die Technik nicht bedrohend wirkt. Waffen zum Beispiel : da steckt letztenendlich ein psychischer Impuls dahinter. Das entspricht auch den Menschen, die das herstellen. Ich möchte nicht wissen, von was die träumen. Wenn man von morgens bis abends Maschinenpistolen herstellt und dann abends von Edelweiss träumt. Das möcht´ ich erst noch wissen.

Und deshalb versuchen wir mit einer kreativen Technologie zu arbeiten. Eine Technik, die die Kreativität akzeptiert.”

“Du träumst also noch vom Edelweiss. Die Technik ist für Dich nicht traumbestimmend?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja durchaus. Musik hängt ja mit Klängen zusammen. Ich kann auch vom Echo vom Königssee träumen.”

“Bei Eurer Musik muss man darauf schließen dass das Edelweiss digitalisiert ist, oder das Echo maschinenbeeinflusst ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Du meinst wie eine Plastikblume?”

“Ja, vielleicht.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja das wär´ auch O.K., wenn es eine gute Plastikblume ist. Man wünscht sich ja eine neue Kreativität. Und die gibt es auch mit Plastik. Es gibt ja Leute, die damit sehr tolle Sachen machen. Von Kleidung bis hin zu Möbeln. Ich glaube schon, dass man da eine Art Symbiose herstellen kann. Wir versuchen auch so zu arbeiten. Es gelingt vielleicht nicht immer.”

“Dann ist für Dich Elektronik nicht kalt?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, nein. Das ist ein Vorwurf, der immer wieder kommt. Nein, der Synthesizer ist das sensibelste Instrument, das es überhaupt gibt. Von 20 bis
20.000 Herz. Es gibt kein anderes Instrument, das diese Bandbreite hat.”

“Woher kommt dieser Vorwurf? Ich habe schon mit verschiedenen Gruppen darüber gesprochen. Jeder wehrt sich gegen diese Aussage. Aber ist denn Kälte etwas schlechtes? Kann Kälte nicht auch schön sein?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Kälte kann es nur geben, wenn es auch Wärme gibt. Ich wehre mich nur dagegen, wenn man sagt, dass Elektronik keine Gefühle ausdrücken kann.”

“Das ist eben das konservative im Menschen.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ich glaube dass das vorprogrammierte Verhaltensmuster sind. Da müssen die Leute irgendwie ihren Chip verändern. Das sind ja auch Denkvorgänge, die aus bestimmten Erziehungsmustern resultieren. Ich glaube, man muss sich eine bestimmte Art des Staunens wieder angewöhnen.”

“Stellt Ihr Eure Musik immer noch selbst her? Kauft ihr keine “Ton-Klänge” gespeichert auf Diskette? Habt Ihr Euch auch ein Synklavier angeschafft?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, so eins haben wir auch. Aber unsere alten Sachen stehen immer noch herum. Wir werfen nichts weg. Die Klänge der alten Synthesizer kommen auch immer wieder vor in unseren Liedern.”

“Ihr habt einmal gesagt, dass die Gitarre für Euch ein Instrument aus dem 16. Jahrhundert ist und sie auch dorthin gehört. Ihr vertretet die Meinung, dass man damit keine zeitgenössische Musik machen kann. Wir haben nun aber das Gefühl, dass auf “Sex-Objekt” auch Gitarrenklänge mit drauf sind, wenn auch in gesampelter Form. Ist das kein Wiederspruch?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, es sind alles Synthesizer. Es sind vielleicht schwingende Klänge die an Gitarrenseiten erinnern. Mit der Gitarre meinen wir auch nicht nur die Klänge allein sondern die ganze Lebenshaltung, die dahinter steckt. Die Gitarre im Arm und diese Posen. Bei den Engländern heisst die Gitarre ja auch Axt. Oder bei Prince stellt das so eine Art Riesenpenis dar. Es hat da so psychologische Aspekte und das meinen wir damit.”

“Ihr sagt, dass ihr immer alles selbst macht. Auf “Sex-Objekt” hört man nun eine Frauenstimme. ist das jetzt eine verfremdete Stimme von Euch oder doch eine echte Frauenstimme?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Es sind mehrere echte Frauenstimmen, irgendwelche Geräusche und Wortfetzen in verschiedenen Sprachen?”

“Ihr macht also Sampling?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja schon lange?”

“Seit wann?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Seit “Autobahn”, als ich mein VW aufgenommen habe. Das ist ja dasselbe, ob ich das nun normal oder digital aufnehme. Wir haben auch Sprachcomputer, die männliche und weibliche Stimmen vollsynthetisch herstellen können. “Musique Nonstop” zum Beispiel wird vollsynthetisch gesungen. Der Computer singt.”

“Wenn man Kraftwerk hört, dann bringt man das irgendwie mit einer deutschen Perfektion in Zusammenhang. Ist das ein gewolltes Image oder ist das auch eure Lebenshaltung alles perfekt und sauber zu machen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Das ist auch ein Bestandteil unseres Lebens. Wir haben unsere Musik auch schon als Volksmusik aus dem Rhein-Ruhrgebiet betitelt. Und wenn wir dann in Tokyo oder Chicago spielen, dann wir uns bewusst, dass wir es nicht leugnen können in Düsseldorf aufgewachsen zu sein. Es ist Teil unserer Existenz. In Deutschland wir so vieles geleugnet, weil da historische Vorbelastungen da sind. Wir haben damit nichts zu tun. Das ist einfach unser kultureller Background.”

“Ich stelle mir einen Amerikaner vor, der Eure Musik hört. Ihr passt vollkommen in das Bild, das er sich von einem Deutschen macht : der kühle Arbeitsmensch. Düsseldorf ist ja im Ruhrpott.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja am Rande. Düsseldorf nennt sich das Büro des Ruhrpotts. Es zieht sich mitten durch die Stadt. Eine Hälfte ist noch Büro, die andere Hälfte sind dann schon Produktionsstätten.”

“Es hat zuerst geheißen, die LP heiße Techno-Pop. Es ging da so ein Gerücht um ... Hattet Ihr Angst mit diesem Titel abgestempelt zu sein?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, wir gehören ja dazu. Es war mehr ein Arbeitstitel und dann haben wir das mit “Electric Café” in eine andere, weichere Form gebracht. Wir wollten das Ganze nicht zu stark betonen.”

“Eure Musik von der ersten LP bis heute wurde immer perfekter. Wie geht es weiter? Ist überhaupt noch eine Steigerung möglich?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, ich glaube es fängt gerade erst an. Das Gefühl haben wir immer. Als müssten wir jetzt gleich erst anfangen. Wir kommen uns immer wie Schüler vor, die noch so vieles zu lernen haben. Es ist ein riesiges Feld, das sich uns auftut.”

“Wie sieht das bei Euch live aus?” Könnt ihr alles live spielen, oder arbeitet ihr mit Backing-Tapes?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Nein, wir spielen unser Instrument, das ist unser Kling-Klang-Studio. Das sind so verkabelte Komponenten, die wir mit auf Tour nehmen.”

“Wie wird Eure Show aussehen? Werdet ihr wieder als Roboter auftreten? Zusammen mit euren Puppen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Die Puppen werden jedenfalls wieder mit dabei sein. Die lösen sehr positive Gefühle aus und stehen auch bei uns im Studio im Nebenraum und werden immer begrüsst. Sie sind immer präsent und wurden auch schon abgeküsst. Wenn wir auf Tour gehen, dann verpacken wir sie liebevoll in unsere Reisekoffer.”

“Wie eine kleine Familie ... .”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja. Die Puppen machen auch Fotos. Das stellt uns dann wieder frei. Während das Studio ausgeleuchtet wird, können wir etwas sinnvolleres tun als dastehen. Die Puppen sind auch viel geduldiger als wir.”

“Habt ihr das Gefühl, in England mehr akzeptiert zu werden als in Deutschland?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”England ist zumindest sehr offen, ich glaub´ schon ja. Aber in Deutschland ist es auch gut. Es hat sich vieles gewandelt in den letzten 5-6 Jahren.”

“Und in den USA?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Da ist es noch besser. Auch in Japan.”

“Japan und Kraftwerk gehört für mich sowieso irgendwie zusammen. Ihr habt ja auch schon japanische Sachen gemacht.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”In Düsseldorf sind unheimlich viele Japaner. Wir haben einen japanischen Freund und der hat uns dann “Taschenrechner” auf japanisch übersetzt. Er hat uns auch assistiert, damit wir das einigermaßen aussprechen konnten. Das tönt dann ungefähr so : “Boku-wa on gaka honga”. Ich kann nicht japanisch. Florian kann das viel besser als ich.”

“Wie läuft das eigentlich mit den Sprachen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir haben dafür unsere Sprachcomputer. Man kann einfach die Chips austauschen und schon spricht er englisch, französisch oder auch schwedisch. Aber manchmal reicht die Zeit nicht um alles auszuprobieren. Mit der Sprache ist es nicht immer so einfach. Sprechen können die Computer schon sehr gut, doch wenn es um die Betonung geht, wird es relativ aufwendig. Es müssen bestimmte Dinge beachtet werden. Aber künstliche Sprache ist schon kein Problem mehr. Man kann ganze Chöre singen lassen und es tönt alles sehr gefühlvoll. Die singen in einer Reinheit ... . Der Computer hat immer eine totale Hingabe bei seiner Arbeit. Das würde man sich bei manchen Musikern wünschen. Der Computer macht das mit einer Art Zärtlichkeit.

“Habt Ihr den Computer so weit gebracht, dass er so gut singen kann?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Ja, zusammen mit einem Techniker. Der bastelt auch jetzt noch weiter an dem System, damit der Gesang auch rhythmisch aktiv ist, damit die Intonation stimmt.”

“In wie weit arbeitet Ihr noch selbst an Euren Maschinen?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Wir arbeiten noch viel daran und dann hilft uns immer unser Techniker. Er sagt uns auch ob unsere Vorstellungen verwirklichbar sind oder was man sonst noch machen könnte.”

“Wann geht´s auf Tournee?”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Sicherlich noch dieses Jahr.”

“Kommt ihr auch in die Schweiz.”

Ralf Hütter / Kraftwerk : ”Bestimmt! Ich freue mich schon! Ich war schon in Lugano und Andermatt.”

 

 

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