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Skinny Puppy

 

12” : Dig It

EP : Chainsaw

LP : Cleanse, Fold And ...

LP : Mind - The Perpetual ...

 

 

 

 

LP : Remission

VA : Electronic Body Music

 

 

 

 

 

 

 

Skinny Puppy ist eine Post-Industrial-/Electronica-Band, die 1982 in Vancouver, Kanada gegründet wurde.

Inspiriert von Pionieren in der experimentellen Musik, wie Throbbing Gristle, Portion Control, Kraftwerk oder auch Cabaret Voltaire und Post-Punk-Bands wie Bauhaus und Killing Joke, experimentierten Skinny Puppy mit elektronischen Aufnahmeverfahren. Die ersten Titel auf dem 1984er Debüt Remission lassen sich grob dem Electro-Wave-Umfeld zuordnen. Mit dem 1986er Werk Mind: The Perpetual Intercourse wurde die Musik zunehmend komplexer und industrial-lastiger. Die Musik von Skinny Puppy fällt unter den Sammelbegriff Post-Industrial, das daraus entstandene amerikanische Subgenre Electro-Industrial wurde dabei deutlich von Skinny Puppy mitgeprägt. Dabei produzierten sie einen mehrschichtigen Sound unter Verwendung von Keyboards, Synthesizern, Samples, Drum-Computern, Tonbändern und aneinander gereihten Tapes, außerdem benutzten sie als eine der ersten MIDI, verwendeten dabei aber untypischerweise analoge und digitale Maschinen gleichzeitig. Zusätzlich kombinierten Skinny Puppy diesen Sound teilweise mit Gitarren-Elementen, so z. B. in den Liedern Dig It und Testure. Mit der Reunion entfernte sich die Band vom Post-Industrial und Electro-Industrial und näherte sich dafür einer düsteren Form der Intelligent Dance Music und Electronica.

Aufgrund ihres Interesses an dem Medium Film produzierten sie eine Reihe von Musikvideos, um das Thema des jeweiligen Songs zu veranschaulichen; diese wurden jedoch von MTV und anderen Musiksendern nicht oder nur selten ausgestrahlt; das Video zu Worlock wurde praktisch weltweit nicht gesendet und war auch nie käuflich zu erwerben, weil darin eine große Anzahl von urheberrechtlich geschütztem Material verwendet wurde. Ihre Konzerte sind legendär wegen der bizarren und blutrünstigen Performance-Kunst, mit der sie die Besucher herausfordern wollten. Skinny Puppy wurde und wird mit einigen tanzbaren Songs auch in Klubs gespielt, erreichte aber nie das kommerzielle Radio.

Skinny Puppy wurde 1982 von cEvin Key (die Schreibweise „cEvin“ ist hierbei kein Druckfehler, sein bürgerlicher Name: Kevin Crompton, Instrumente) und Nivek Ogre (bürgerlicher Name: Kevin Graham Ogilvie, * 5. Dezember 1962 in Calgary, Kanada, Vocals) gegründet. Key war von seiner damaligen Band Images in Vogue frustriert und wollte mit Skinny Puppy etwas „Rohes“ und „Reales“ schaffen. Ogre verfasste kurze, philosophische Lyrik-Fragmente, die er mit einem animalischen, rauen Brummen vortrug. Mit Produzent Dave Ogilvie (nicht verwandt mit Kevin) veröffentlichten Skinny Puppy 1984 ihre ersten Aufnahmen bei Nettwerk Records und verhalfen in den kommenden Jahren dieser kleinen Plattenfirma zum Aufstieg zum wohl bekanntesten und erfolgreichsten Independent-Label in Kanada zu dieser Zeit. 1985 schloss sich der gebürtige Österreicher Bill Leeb (bürgerlicher Name: Wilhelm Anton Leeb, Keyboards und Bass) unter dem Pseudonym Wilhelm Schroeder Skinny Puppy an, stieg aber im kommenden Jahr aus Desinteresse wieder aus und gründete Front Line Assembly und Delerium. Sein Nachfolger wurde Dwayne Goettel, der eine klassische Keyboard-Ausbildung absolviert hatte und deswegen vor allem wegen seiner instrumentalen Fähigkeiten in die Band geholt wurde; er sollte jedoch noch entscheidenden Einfluss auf deren musikalische Entwicklung haben.

Mit den noch recht minimalistisch gehaltenen Veröffentlichungen Remission (1984) und Bites (1985) konnten sie erste Erfolge erzielen. Mit Mind: The Perpetual Intercourse (1986), einer LP, die zum Großteil experimentelle, geisterhafte Klänge aus analogen Tonbändern enthält, zeigten sie eine musikalische Weiterentwicklung und konnten ihre Fangemeinde weiter vergrößern. Nach dem Einstieg von Goettel produzierten sie 1987 Cleanse Fold and Manipulate, die überwiegend von Keyboards, Synthesizern und – zum ersten Mal – MIDI-Sequenzen geprägt ist.

Zu dieser Zeit begann ihr öffentliches Engagement für den Tierschutz. Auf ihrer Head Trauma-Tour (1987) und der VIVIsectVI-Tour im folgenden Jahr zeigten sie Filmaufnahmen von Tierversuchen. Der Titel der LP VIVIsectVI (1988) ist ein Wortspiel, das zusammen mit Vivisektion einen Bezug zum Satanismus herstellen soll (VI ist die römische Zahl für „6“ und ergibt im Albumtitel „666“). Auf diesem Album kritisieren sie in deutlichen Worten die Umweltverschmutzung (Hospital Waste), Chemische Waffen (VX Gas Attack), die Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit zum Kampf gegen Aids (State Aid), Drogenmissbrauch (Harsh Stone White), die Abholzung von Wäldern für die Nutztierindustrie (Human Disease (S.K.U.M.M.)) und Vergewaltigung (Who’s Laughing Now?). Der bekannteste Song von VIVIsectVI ist Testure, in dem sie die Vivisektion als Holocaust an Tieren durch gierige Wissenschaftler darstellen. Dieser Song erreichte 1989 eine Platzierung in den Billboard Hot Dance Music/Club Play Charts.

Ende der 1980er Jahre begannen die Bandmitglieder an verschiedenen Nebenprojekten zu arbeiten, darunter Doubting Thomas, platEAU und aDuck. Am Album Rabies (1989) wirkten einige Gastmusiker mit, darunter Al Jourgensen von Ministry, der mit anderen Musikern E-Gitarre spielte. Auf diesem Album sind erstmals Heavy Metal-Elemente zu hören, wodurch es zum bis dahin umstrittensten von Skinny Puppy wurde. Die Ansichten gingen weit auseinander, ob diese Rock-Einflüsse eine echte Bereicherung darstellten und ob sich dadurch die Musik von Skinny Puppy gefährlich dem eingängigen Mainstream annäherte. Die Anwesenheit von Jourgensen tat ihr Übriges dazu, die Mitglieder der Band auseinanderzutreiben: Es gab keine Tour, um Rabies zu promoten, stattdessen tourte Ogre mit Ministry als zusätzlicher Gitarrist. Key und Goettel gingen zunehmend auf Distanz zu Ogre, weil sie glaubten, dass er sich für alle möglichen Projekte mehr interessiere als für die Band. Hinzu kamen unterschiedliche Auffassungen im kreativen Bereich.

Das nächste Album Too Dark Park (1990) gilt jedoch wieder als Meilenstein und zwar besonders in der Entwicklung von Industrial Dance und Industrial Rock. Hier werden Industrial Elemente und funkiger Popsound der 1980er Jahre bunt gemischt. Der Nachfolger Last Rights (1992) gilt schließlich als der kompositorische und künstlerische Höhepunkt von Skinny Puppy, auch was die Produktion angeht, insbesondere Inquisition ragt dabei besonders heraus. Das Stück Left Handshake, das ursprünglich auf dem Album sein sollte, wurde vor der Veröffentlichung aus urheberrechtlichen Gründen entfernt, weil darin eine Rede von Timothy Leary verwendet wurde. Dadurch wurde das thematische Konzept des Albums geschmälert. Der Titel Last Rights erwies sich als sehr passend, nicht nur wegen der apokalyptischen Thematik, sondern weil er gewissermaßen auch den danach beginnenden Niedergang der Band vorwegnahm.

1993 entschied man sich für einen Label-Wechsel von Nettwerk zu American Recordings und begann in Malibu, Kalifornien mit der Aufnahme von The Process, ein Konzeptalbum über den Psychotherapie-Kult in den 1960er Jahren, mit Roli Mossiman als Produzent. Dessen Stil wurde aber schnell als zu wenig aktiv empfunden, so dass er durch Martin Atkins ersetzt wurde. Mit ihm wurde es aber noch schlimmer, wenn auch aus ganz anderen Gründen: Key und Goettel hatten den Eindruck, dass Atkins die Band spalten wollte, um mit Ogre eigene Projekte voranzutreiben. 1995 übernahm Mark Walk die Produktion. Die Streitigkeiten und der Drogenmissbrauch der Band verzögerten die Fertigstellung des Albums und erhöhten die Kosten, so dass American Records den Vertrag von drei auf ein Album reduzierte. Key erklärte später der Presse, dass die Plattenfirma versucht habe, den Musikstil mit Blickrichtung auf damals kommerziell erfolgreiche Bands wie Nine Inch Nails zu beeinflussen, was die Kreativität von Skinny Puppy zusätzlich belastete. 1995 verließ Ogre Skinny Puppy, um sich ausschließlich anderen Projekten zuzuwenden, was das Ende der Band bedeutete. Goettel flog mit den Tapes zurück nach Vancouver, wo er wenige Tage später nach einer Überdosis Heroin im Haus seiner Eltern tot aufgefunden wurde. Ogre und Key stellten The Process fertig und veröffentlichten es schließlich 1996 im Gedenken an ihn.

2000 spielten Ogre und Key als Skinny Puppy auf dem Doomsday Festival in Dresden und tourten 2001 zusammen als Vorgruppe für das Soloprojekt von Ogre namens OhGr. 2003 begannen sie, zusammen mit Gastmusikern wie Danny Carey von Tool, mit der Produktion eines neuen Skinny Puppy-Albums mit dem Titel The Greater Wrong of the Right, das am 25. Mai 2004 erschien. Im Sommer und Winter folgte eine ausgedehnte Tour, die sie für einen Festivalgig am 17. Juli auch nach Deutschland auf die Loreley führte. Zwei Konzerte aus ihrem Heimatland Kanada und zwar Toronto und Montreal wurden für eine DVD-Veröffentlichung aufgezeichnet, die im September 2005 erschienen ist. Im Sommer des Jahres 2005 waren sie auch erstmals seit 17 Jahren wieder für drei Clubgigs in Deutschland.

Außerdem arbeiten beide Musiker weiter an anderen Projekten, Key als Solokünstler und bei den Bands Download und Tear Garden, Ogre ist bei den bekannten Post-Industrial Acts KMFDM und Pigface involviert und bildet seit 1996 zusammen mit Mark Walk die bereits erwähnte Band ohGr.

Das Album Mythmaker wurde im Jahre 2007 unter dem Label SPV veröffentlicht. Das Album ist im Gegenzug zum Nachfolger Handover (2011) noch wesentlich gitarrenlastiger. Im Jahr 2008 spielte Nivek Ogre den Pavi Rotti in Repo! The Genetic Opera. Im Jahre 2011 erschien dann, wenn auch verspätet das Album Handover von Skinny Puppy. Dieses Werk zeigt die aktuelle musikalische experimentelle Orientierung von Skinny Puppy und beinhaltet Glitch, IDM, Electronica und Minimal Einflüsse. Skinny Puppys bisher letztes Album mit dem Titel Weapon erschien am 28. Mai 2013 und richtet sich stilistisch an die frühen Veröffentlichungen von Skinny Puppy. Der Gedanke war zuerst ausschließlich analoges Equipment zu benutzen – was aber schnell wieder verworfen wurde – da der Aufwand zu groß geworden wäre; dennoch wurde Weapon ähnlich dem Frühwerk stark Synth-lastig produziert.

Im Februar 2014 forderte die Band von den USA 666.000 Dollar als Tantiemen, weil ihre Musik angeblich bei der Folter von Guantánamo-Gefangenen eingesetzt wurde. Dass mit der Musik der Band die Gefangenen von Guantánamo gefoltert werden, wird auch in dem Roman Die Zeit der Ruhelosen von Karine Tuil erwähnt.

 

 

SKINNY PUPPY INTERVIEW VON 1988


Back To The 80s : “Wenn ich eine Band aus einem anderen Land vor mir habe, dann möchte ich immer erst mal etwas über die Musikszene des jeweiligen Landes erfahren ... .”

Skinny Puppy : “Nun, in Canada ist es nicht anders als andernorts auch : die Musik und ihre Gefolgschaft unterscheidet sich von Stadt zu Stadt. In Vancouver profitierten wir von einer starken Unterstützung jeder Art von alternativer, neuartiger Musik. Die Leute  sind Neuem gegenüber sehr offen. Was heisst neu : extrem wäre wohl richtiger : Industrial Sound ist tierisch angesagt. Das Gleiche gilt auch für Montreal, eine sehr weltoffene Stadt.

Toronto dagegen ist eher konservativ, zumindest bis vor kurzem noch. In den letzten Jahren ist es etwas besser geworden.

Es gibt immer noch viel Rocker und Rock´n´Roller, aber im großen und ganzen sehe ich eine positive Entwicklung zum Guten, obwohl es immer noch zu viele Menschen gibt. die mit elektronischer Musik einfach nichts anfangen können, die einfach nicht verstehen, wo wir musikalisch herkommen und wo wir hinwollen. Ich glaube allerdings, ohne uns jetzt groß loben zu wollen, dass wir doch einiges in Kanada in Bewegung gebracht haben. Irgendwie sind wir in Kanada immer noch die einzige Band, die wirklich auch kommerziell Erfolg hat mit dieser Musik. Was ich immer wieder merkwürdig, ja fast pervers fine, ist, dass in Städten, wie Vancouver oder Montreal diese Art von Musik populärer ist als an den Orten, wo sie ursprünglich herkommt; und das wäre in England, Europa. Aber wenn ich mit Leuten von dort drüben spreche. dann erfahre ich, dass die Leute immer noch auf ultra-kommerziellen Sound abfahren.

Es scheint je länger je mehr so, dass wir mit unserer Stadt wirklich Glück haben. Wir leben in einer Stadt, in die auch mal eine europäische Band nur grad für ein Konzert rüberfliegt, weil sie außerhalb Vancouvers gar nicht bekannt sind und so auch nicht auftreten können. So spielten kürzlich The Legendary Pink Dots, Einstürzende Neubauten oder Test Department ausschließlich in Vancouver.”

Back To The 80s : “Und in Toronto oder Montreal hätten diese Bands überhaupt kein Publikum?”

Skinny Puppy : “Doch doch, in einigen speziellen Clubs, aber es lohnt sich für die Bands gar nicht, nach Vancouver anderorts zu spielen. Ich meine die Distanz Vancouver - Toronto ist immens und dazwischen ist nichts, nur Wald und Wasser. Also stehen die Leute vor der Entscheidung : Vancouver oder Toronto. Nun da sie in Vancouver mehr Erfolg haben, entscheiden sie sich immer für Vancouver. So einfach ist das.”

Back To The 80s : “Für viele Europäer sind Kanadier gleich Amerikanern. Skinny Puppy gilt bei vielen hier als US-Band. Was hält ihr davon?”

Skinny Puppy : “Also ehrlich gesagt : da werden wir stinksauer. Wir sind stolz, aus Kanada und nicht aus den USA zu kommen. Du musst dir das so vorstellen : die Kanadier haben etwa die gleichen Vorurteile und Gefühle gegenüber den Amerikanern, wie ihr Europäer. USA hat einfach zuviel Macht und versucht alles zu kontrollieren. Viele Amerikaner sehen Kanada als ihre Kolonie an. Das stinkt uns gewaltig - und wenn wir nach Europa kommen und hier einen Amerikaner hören; das macht uns richtig krank, haha!”

Back To The 80s : “Aber ihr verkauft doch auch in USA?”

Skinny Puppy : “Klar, wir sind ja keine Rassisten! Nein. Spaß beiseite : Unsere Platten erscheinen über Nettwerk/Capitol und Capitol ist eine US-Firma. Das sieht so aus : Canada ist Nettwerk, USA und der Rest der Welt ist Capitol. Capitol wiederrum wird durch EMI vertrieben, was uns eine wirklich erstklassige Verbreitung unserer Platten garantiert. Wir sind sehr glücklich über diese Abwicklung. Weil wir nachwievor bei Nettwerk unter Vertrag sind, haben wir alle Freiheiten, die wir - wenn wir direkt bei EMI wären - nicht hätten. EMI ist nun mal ein Industrie-Label und übt leider sehr großen Druck auf seine Künstler aus. Mit dieser Regelung aber sind wir nur Nettwerk gegenüber Rechenschaft verpflichtet.”

Back To The 80s : “Ihr seht aber eure Musik mehr als europäisch denn amerikanisch, sorry kanadisch an ... .”

Skinny Puppy : “Ganz eindeutig. Ich meine, für uns hat immer nur europäische Musik gezählt, und so sind auch unsere Wurzeln. liegen auch die Wurzeln unserer Musik klar in Europa. Es gibt für uns keine einzige amerikanische Band, die wirkliche Industrial-Music macht. So empfinden wir es. Natürlich empfinden die Leute in Europa wieder ganz anders. Es ist möglich, dass sie unseren Sound als typisch kanadisch einstufen, weil mittlerweile recht viele kanadische Bands in dieser Art Musik operieren. Aber man kann schon sagen, es ist wirklich einfach, die ganze amerikanische Musikszene zu ignorieren - du verpasst wirklich nichts. Deswegen gibt es ja auch so viel Import-Plattenläden in Amerika. Die Leute haben einfach die Schnauze voll von all dem Mainstream. Geschmiere und importieren sich die guten Platten halt aus Europa. Ich meine : wir haben auch so angefangen. Unsere hauptsächlichen Einflüsse und Ideen stammen aus blosser “Mail-Communication”. Das heisst, es war ein einziges Hin und Her zwischen uns und unseren europäischen Freunden, postmässig. Wir sandten unsere Aufnahmen, die Europäer sandten uns ihre Aufnahmen und Ideen. Anders kommst du gar nicht ran an neue Impulse, neuartige Sounds und Innovationen.”

Back To The 80s : “Wer sind denn diese Europäer?”

Skinny Puppy : “Nun, das waren hauptsächlich kleine Labels, Vertriebe, aber auch Musiker direkt, die wir angingen. Allen voran natürlich Portion Control, die wir immar als die führende Technoband betrachteten. Wir korrespondierten jahrelang mit John Whybrew von Portion Control (Ex-Vorgruppe Depeche Modes), aber irgendwann änderten sie ihre Richtung und wurden mehr poppig. Wir sandten weiterhin unsere Briefe, bekamen aber plötzlich keine Antwort mehr, so hören wir halt damit auf. Ich bereue das sehr, weil viele Leuten sagen, wir klingen genau wie Portion Control und wir können nur sagen : Ja, das stimmt, wir klingen nach Portion Control, denn sie sind und bleiben unsere großen Vorbilder, wir liegen auf der gleichen Wellenlänge. Ihre ganze excessive, ausschweifende und ungebändigte Art war genau das, was wir musikalisch immer zu erreichen versuchten. Leider tun sie das heute nicht mehr, was wir wirklich nicht verstehen können. Ein enger Freund von Portion Control hat mir kürzlich erzählt, sie würden zu gerne die neuen Blancmange oder die neuen Depeche Mode werden. Aber das werden sie erstens nie schaffen und ausserdem passt es überhaupt nicht zu ihnen. Sie hätten lieber sich und ihrer grossartigen Musik treu bleiben sollen.”

Back To The 80s : “Themawechsel : Habt ihr eigentlich von allem Anfang weg Synthesizer benutzt?”

Skinny Puppy : “Nein, das ist uns zwar eher peinlich heute, aber für unsere allererste Aufnahme, haben wir ausschließlich Gitarren benutzt. Nachdem wir einen Song aufgenommen hatten, fanden wir jedoch, dass es wohl besser wäre, die Gitarren ganz weit weg zu legen, und so haben wir es bis heute gehalten.”

Back To The 80s : “Aber ihr benutzt doch auch heute noch Gitarren?”

Skinny Puppy : “Ja, das stimmt. Aber wir benutzen sie nicht in der gewohnten Art, sondern versuchen sie in einer ganz neuen Art zu verwenden, sehr aggressiv und sparsam. Im Grunde sind wir gar nicht auf Synthesizer versteift. Wir versuchen unsere Sounds einzusetzen um damit ein bestimmtes Feeling, ein Gefühl und eine Stimmung zu vermitteln. Wir sind eigentlich hauptsächlich an Soundstrukturen und nicht an eigentlichen Songstrukturen interessiert. Das heisst auch, dass wir grundsätzlich keinem Instrument gegenüber abgeneigt sind. Wichtig erscheint uns das Endprodukt, die Stimmung die du mit einem bestimmten Song, einer bestimmten Soundverflechtung erreichst, die Mittel, die du dazu benutzt sind nebensächlich. Wenn ein sogenanntes traditionelles, akustisches Instrument angebracht und passend ist, dann benutzen wir das ohne Skrupel.”

Back To The 80s : “Worin besteht denn der Hauptvorteil beim Spiel mit Synthesizern für euch?”

Skinny Puppy : “Nun, seit wir begonnen haben, mit Synthis zu arbeiten, hat sich viel geändert. Unser erster Synthesizer war ein äußerst billiges Werkzeug und Hauptvorteil war wahrscheinlich der tiefe Preis, haha. Das heisst nicht, dass er deswegen schlecht war, wir benutzen ihn noch heute. Aber die Technik hat sich so rasant entwickelt, dass wir bald fanden, mit den alten Synthesizern wären wir zu limitiert, beschränkt in den Möglichkeiten. Was uns heute halt am meisten fasziniert, und das empfinden wohl alle Technobands so, ist das Sampling. Mit einem wirklich guten Sampler hast du auf einem Schlag die Möglichkeit, alle vorhandenen Instrumente und Klänge zu spielen, die du sonst einzeln kaufen oder auftreiben müsstest. Das heisst, du kannst eine Geige, eine Gitarre, Piano - einfach jedes Instrument durch den Sampler laufen lassen und spielen.”

Back To The 80s : “Denkt ihr, dass sich Sampling dafür eignet, den perfekten Sound zu schaffen?”

Skinny Puppy : “Nun, vielleicht. Wir persönlich sind aber eigentlich mehr auf der Suche nach der unperfekten Musik, wenn du verstehst was ich meine. Perfektionismus tötet, was Songstrukturen und Songaufbau anbelangt. Perfektionismus suchen wir nur innerhalb unserer Samples und da ist das Gebiet nachwievor unbeschränkt. Das Gebiet des Samplings ist unserer Meinung nachwievor weitgehend unerschlossen und es gibt auch heute und in aller Zukunft, viele neue Wege zu entdecken und entwickeln. Das ist das Gebiet , das uns am meisten interessiert. Nicht der perfekte Song also, aber die perfekten Samples! Wobei es immer bestimmte Songs geben wird, die keine perfekten Samples, keine “clean”-Samples erfordern werden. Wir müssen also hier aufpassen, dass unsere Musik nicht zu steril wird. Zu viel perfekte Samples ergibt zu perfekte Musik und das wollen wir eigentlich weitgehendst vermeiden.”

Back To The 80s : ”So ein Sampler ist aber im Gegensatz zu einem Synthie unheimlich teuer, nicht?”

Skinny Puppy : “Ja, allerdings! ... und sie sind auch heute noch zu teuer für uns. Wir mieten uns immer einen. Als uns Wilhelm Schroeder verließ (aka Bill Leeb, heute Front Line Assembly), da hatten wir das Glück, auf Dwayne Goettel zu stossen, der zuvor bei Psyche spielte. Er hatte lange Jahre gespart und so konnte er sich und und somit der Band zwei nagelneue, wunderbare Synthis anschaffen, haha!”

Natürlich erleichtern Synthesizer auch die Arbeit on Stage, wobei wir versuchen, möglichst wenig von Tape zu spielen, was nicht immer leicht ist. Aber ich habe schon eine Band erlebt, die haben wirklich nur noch markiert und die gesamte Musik kam einfach vom Tape. Wieso dann noch Synthies auf die Bühne stellen, wenn´s eh jeder merkt, dass alles Background ist?”

Back To The 80s : “Achja, das scheint es ja immer mehr zu geben. Kennt ihr Yello? Die machen das ja auch so, wenn sie auftreten, was allerdings nur einmal in 1000 Jahren vorkommt!”

Skinny Puppy : “Ich (Cevin Key) kann dir aus meiner Erfahrung als Ex-Mitglied einer anderen Band folgendes Geschichtchen erzählen : Diese Band spielte mal mit einer sehr populären Band aus England, die alle jungen Kids in ihr Herz geschlossen hatten, Duran Duran; und auch diese wirklich weltweit erfolgreiche Band benutzte fast 75% Tapes Live. Stell dir mal vor, das war dann wirklich “The great Rock´n Roll-Swindle!”. Wir verstehen es einfach nicht, gerade weil Duran Duran einen Sound machen, den man wunderbar auf der Bühne reproduzieren kann : Gitarren, Bass, Drums, Gesang. Währenddem wir bestimmte Dinge einfach unmöglich Live wiederholen können. Wenn wir im Studio 3 Stunden an einem bestimmten Snare oder einem Tape-Effekt arbeiten, dann gibt es für uns einfach keine Möglichkeit, das Live auf die gleiche Art und Weise zu wiederholen. Dann wird halt improvisiert und wir haben bewiesen, dass das geht. Auch im Studio übrigens. Auf unserer MIND:T.P.I.-LP sind zwei Titel auf diese Art entstanden : spontan, improvisiert. Bei einem Song, da sass nur grad die Bassline und wir hatten keine Idee, wie wir weitermachen sollten. Als wir ein paar Stunden später das Studio verließen, war der Song zu unserem Erstaunen fertiggestellt. Bi einem anderen Song war´s noch krasser : das Tape lief und wir drehten das Radio auf und schnitten einfach mit, was gerade lief, dazu improvisierten wir live im Studio und der Song war gebongt. Ich glaube wir nannten ihn “Stairs and Flowers”. So etwas kannst du einfach nicht wiederholen, der ganze Song war Improvisation vom ersten bis zum letzten Ton.”

Back To The 80s : “... nun ihr könnt die gleiche Radiostation wieder einschalten ... .”

Skinny Puppy : “Nein, wir wissen nicht mal, welche Station eingeschaltet war, haha!”

Back To The 80s : “Ihr denkt also, dass diese Technik eurer Phantasie mehr Spielraum lässt?”

Skinny Puppy : “Ja, unbedingt! Wir versuchen möglichst viel live, aus dem Feeling, unserer Stimmung herauszumachen. Nichts in unserer Musik soll vorgedacht oder vorbereitet klingen, wir wollen nichts heute beginnen, die Nacht darüber schlafen und in zwei Tagen fertigstellen. Da würden wir uns zu eingeengt fühlen und unserer Musik ginge wohl das Wichtigste, nämlich das spontane Element verloren.”

Back To The 80s : “Habt ihr eigentlich einen Unterschied in den Publikumsreaktion im Vergleich zu eurer letzten Tour 1986 feststellen können?”

Skinny Puppy : “Ja, ganz bestimmt sogar! Während die Leute 1986 erst noch etwas ratlos unserer Show und unserer Show gegenüber zu sein schienen, sind die Leute dieses Jahr viel aktiver, interessierter und lebendiger gewesen. Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass wir in der Zwischenzeit doch schon etwas bekannter sind und viele Leute schon mit einer bestimmten Vorstellung zu unseren Konzerten kommen, während 1986 viele Leute überhaupt keine Ahnung hatten, was von uns zu erwarten wäre.”

Back To The 80s : “Besteht bei einer so exzessiven, durchdachten Show nicht auch die Gefahr, dass dabei die Musik in den Hintergrund gerät?”

Skinny Puppy : “Also, erstens kann ich nicht sagen, dass unsere Show durchdacht ist. Es mag zwar den Anschein erwecken, aber wie ich schon gesagt habe, versuchen wir Live möglichst viel spontan zu machen, das heisst keine unserer Shows gleichen sich bis ins Detail. Ich denke, unsere Musik lässt dem Zuhörer offen, was der davon denken will, wir machen nur wenige Statements während der Show. Wir präsentieren die Musik in einer Art, die den Zuhörer zum Nachdenken bringt und ihm alle Möglichkeiten offen lässt, sich eigene Bilder zu unserem Sound zu machen.”

Back To The 80s : “Wie empfindet ihr das schwedische Publikum im Vergleich mit dem Rest Europas oder der Welt?”

Skinny Puppy : “Nun, es ist glaube ich kein Geheimnis mehr, dass es hier sehr viele Radikale, politisch Radikale gibt.”

Back To The 80s : “Ich glaube aber eher, dass diese Leute einem bestimmten Image unterliegen ... .”

Skinny Puppy : “Politik ist ein Image! Wir haben bisher vor allem in Holland und zwei Gigs in Deutschland gespielt. Das Publikum war eigentlich überall etwa gleich, aber hier in Schweden scheint ein großer Teil des Publikums aus regelrechten Neo-Nazis zu bestehen, was ich eigentlich nicht verstehen kann. Ich meine, die Leute haben hier doch alles. Was soll dann all diess Nazistische Getue?”

Back To The 80s : “Wie wird das neue Album im Vergleich zur letzten LP klingen?”

Skinny Puppy : “Anders auf jeden Fall! Die letzte LP haben wir in 3 Wochen eingespielt und für die neue LP brauchten wir 4 Monate. Das heisst, wir hätten es auch in 3 Wochen machen können. Aber wir wollten erstmals die Möglichkeit haben, aus verschiedenen Songs die besten auszusuchen. Wir haben für diese LP insgesamt über 40 Songs aufgenommen, hätten also problemlos eine Doppel-LP veröffentlichen können. Ich will damit nicht sagen, dass unsere früheren Platten schlechter waren als unsere kommende. Aber für die erste LP hatten wir ein Budget von 600 $, für die zweite bereits ein Budget von 5000 $ und der Erfolg hat uns ermöglicht, jetzt eben noch mehr Zeit für unsere Produktionen zu verwenden. Natürlich besteht da immer die Gefahr, abzuschweifen, Songs zu perfekt zu machen. Aber ich denke doch, dass wir mittlerweile Erfahrung genug haben, das eben grade nicht geschehen zu lassen. Mit anderen Worten : Auch wenn wir für diese LP so viel Zeit wie nie zuvor aufgewendet haben, bedeutet das nicht zwingendermassen, dass sie überproduziert ist. Wir nehmen nachwievor alle Songs zuhause auf, gehen erst dann ins Studio, um sie abzumischen, zu ergänzen, umzumodeln und das Ergebnis unterscheidet sich nicht allzustark von unseren ersten “Gehversuchen”. Ich glaube aber sagen zu können, dass wir hinter unserer Neuen LP voll stehen können. Wir hatten gerade durch die Möglichkeit, mehr Zeit dafür zu investieren, erstmals die Gelegenheit, all das zu tun, was wir schon immer wollten und das Ergebnis überzeugt und wirklich 100 %ig. Ich glaube, in gewisser Hinsicht darf man das neue Album schon als Album besserer Qualität bezeichnen, einfach darum, weil es genau unseren Anforderungen und Wünschen entspricht.”

 

 

 

 

 

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