Signierte Vinyl-Cover :

 

- 3 Times 6
- à;GRUMH
- A Split-Second
- Alphaville
- And One
- Anne Clark
- Armageddon Dildos
- Axodry
- Big Country
- Bigod 20
- Blancmange
- Blind Vision
- Borghesia
- Boytronic
- Bronski Beat
- BROS
- C. C. Catch
- Camouflage
- Cat Rapes Dog
- China Crisis
- Catastrophe Ballet
- Dance Or Die
- Deine Lakaien
- Depeche Mode
- Death In June
- Desireless
- D.A.F.
- Die Krupps
- Dive
- Erasure
- Extrabreit
- Fancy
- FEE
- Fine Young Cannibals
- Fischer-Z
- Fräulein Menke
- Front 242
- Front Line Assembly
- Gabi Delgado
- Hante
- Heaven 17
- History Of Art
- Howard Jones
- Hubert Kah
- IC Falkenberg
- Invisible Limits
- Jawoll
- Joachim Witt
- John Foxx
- Kirlian Camera
- Kode IV
- Konzept
- Kraftwerk
- Leaether Strip
- Lene Lovich
- Lost Image
- M. L. Gore
- Markus
- Men Without Hats
- Metropolis
- Micro Chip League
- Midge Ure
- Mike Mareen
- Moskwa TV
- Negapadres
- New Order
- Nitzer Ebb
- Nylon Euter
- P. Lion
- Parade Ground
- Paranoid
- Paso Doble
- Peter Schilling
- Poupée Fabrikk
- Propaganda
- Project Pitchfork
- Psyche
- Real Life
- Rheingold
- Sandra
- Scope
- Scritti Politti
- Signal Aout 42
- Sixth Comm
- Skinny Puppy
- Stalingrad
- T´Pau
- TXT
- The Assembly
- The Cassandra Complex
- The Dancing Zone
- The Force Dimension
- The Invincible Spirit
- The Neon Judgement
- The Twins
- The Weathermen
- Thompson Twins
- Tommi Stumpff
- Two Of Us
- Tyrell Corp.
- UKW
- Ultravox
- Umo Detic
- Various Artists
- Vanishing Heat
- Veljanov
- VNV Nation
- Visage
- Yazoo
- Yello

 

Signierte Cover : Front 242

 

7” : Take One

7” : Take One (Box)

12” : Headhunter

12” : Masterhit

12” : Rhythm Of Time

 

12” : Tragedy For You

12” : Tragedy For You

12” : Religion (DJ Copy)

12” : Happiness (Promo)

12” : Never Stop

 

12” : Quite Unusual

12” : DM-NE-F. 242 Megamix

LP : Official Version

LP : Tyranny For You

LP : Front By Front

 

LP : Geography

LP : No Comment

VA : Electronic Body Music

 

 

Front 242 ist eine der ersten Elektronik-Bands der 1980er Jahre und gilt für diese Zeit als Aushängeschild der Electronic Body Music (EBM). Sie werden bis heute als Inspiration oder gar als direktes Vorbild für zahlreiche EBM- und Electro-Combos benannt.

Gegründet im Oktober 1981 in Brüssel (Belgien) waren Front 242 ursprünglich ein Duo, bestehend aus Daniel Bressanutti (alias Daniel B.) und Dirk Bergen. Noch im gleichen Jahr veröffentlichten sie ihre erste Single Principles. Ein Jahr später stießen Patrick Codenys und Lead-Sänger Jean-Luc De Meyer hinzu, und es erschienen die Single U-Men sowie das Album Geography.

Für Live-Auftritte wurde Geoff Bellingham engagiert, der aber kurz darauf durch Richard Jonckheere (alias „Richard 23“) ersetzt wurde. Dirk Bergen verließ die Band und übernahm das Management. In der Besetzung De Meyer/Codenys/Daniel B./Richard 23 wurde die Band nun bekannt.

Für Diskussionen sorgte von Anfang an das paramilitärische Auftreten der Band. Tarnnetze, kugelsichere Westen und so genannte „Gletscherbrillen“ gehörten zu den typischen Utensilien. Dieses Auftreten wurde vielfach als faschistoid verstanden, sollte aber ein künstlerisches Spiel mit Symbolen sein. Obwohl die Band immer wieder betonte, der Name Front 242 habe keine bestimmte Bedeutung, kursierten noch lange Gerüchte, etwa dass der Name eine Solidarisierung mit Palästina und der ersten aufkommenden Intifada sei. Demzufolge gehe der Ursprung des Namens der Gruppe auf die UN-Resolution 242 zurück, in der die Grenzen (engl. = frontier) zwischen Israel und dem Staat Palästina festgelegt werden.

Mit dem 1984 erschienenen Album No Comment wurde der Sound der Band aggressiver, und digitale Stakkato-Sequenzen des DX7-Synthesizers sowie Emulator-II-Samples wurden zu einem Markenzeichen der Band. Auf diesem Album verwendeten Front 242 auch zum ersten Mal die Bezeichnung „Electronic Body Music“, die später von Labels wie Antler Records und Animalized/SPV aufgegriffen und zur Bezeichnung einer ganzen Stilrichtung wurde.

1987 erschien das Album Official Version, und die Band hatte mit Masterhit und Quite Unusual zwei erfolgreiche Club-Hits. Front 242 schlossen einen Vertrag mit Wax Trax!, woraufhin viele frühere Aufnahmen wiederveröffentlicht wurden, unter anderem auch die Raritäten-Sammlung Back Catalogue. Im gleichen Jahr traten Front 242 als Vorgruppe bei der Music for the masses-Tour von Depeche Mode auf und wurden so erstmals einem größeren Publikum bekannt.

Der vierte Longplayer Front by Front (1988) konnte den Erfolg von Official Version noch übertreffen, die Singles Headhunter und Never Stop wurden sehr populär, und insbesondere Headhunter gilt noch heute als Club-Klassiker. Der Headhunter-Videoclip wurde von dem Niederländischen Fotografen Anton Corbijn gedreht, der durch seine Arbeiten für Depeche Mode oder U2 bekannt wurde.

Front 242 wurden nun von dem Major-Label Epic Records unter Vertrag genommen, das 5. Album Tyranny For You konnte allerdings nicht an den Erfolg von Front by Front anknüpfen, obwohl das Video zur Single Tragedy For You nun auch auf MTV zu sehen war.

1993 verließ Richard 23 die Band im Anschluss an das Lollapalooza-Festival. Es erschienen die Alben 06:21:03:11 Up Evil (06:21:03:11 = FUCK, die Zahlen entsprechen den Positionen der Buchstaben im Alphabet) und 05:22:09:12 Off (05:22:09:12 = EVIL), die jedoch ebenfalls nicht mehr an alte Erfolge anschließen konnten. So kam es, dass auch Sänger Jean Luc De Meyer nach der Live-LP Live Code und dem Remix-Album Mut@ge.Mix@ge 1995 die Band verließ.

1997 kam es zu einer Wiedervereinigung, und Front 242 gingen auf die Re:Boot-Tour. Aufgrund der großen Nachfrage wurden die neuen Aufnahmen 1998 als Re:Boot auf CD gebannt. Die Band wurde bei dem deutschen Zoth Ommog bzw. bei Metropolis (USA) unter Vertrag genommen. Die Re:Boot-Auftritte gingen weiter.

Im Oktober 1998 erschien die Neuauflage ihres bekanntesten Hits Headhunter als Headhunter 2000 sowie in zahlreichen Remix-Versionen verschiedener Künstler der Szene. Im Jahr 2000 gaben Front 242 weitere Konzerte. 2001 spielten Front 242 beim Alive Festival in St. Vith (Ostbelgien). 2002 standen lediglich zwei Festival-Auftritte auf dem Plan. Der umjubelte Euro-Rock Gig bewies jedoch die ungebrochene Popularität der Band. Gegen Ende des Jahres begaben sie sich wieder ins Studio.

2003 hatten die Gerüchte und Spekulationen ein Ende: Auf XIII Bis-Records erschien die EP Still & Raw. Im April 2003 erschien dann das Album Pulse.

2006 feierte die Band mit zahlreichen Fans an zwei Tagen mit zwei unterschiedlichen Auftritten und mit Gastkünstlern wie TET – Travailleur En Trance, The Hacker, Terence Fixmer und David Carretta ihr 25-jähriges Bestehen im Ancienne Belgique in Brüssel. Dabei wurde die zuvor bereits auf einer US-Tour getestete neue Show präsentiert, welche eine Abkehr von Re:Boot darstellt und ältere Stücke wieder in ihrer ursprünglichen Form darbot.

2007 spielten Front 242 auf diversen Festivals in Europa.

Inzwischen sind Front 242 bei dem Label Alfa Matrix, wobei sich die Veröffentlichungen größtenteils auf Nachpressungen beschränken.

Nachdem Front 242 etliche Jahre erfolgreich tourten, gab die Band am 23. Januar 2012 bekannt, eine zeitlich nicht näher definierte Pause einzulegen. Damit sagte sie zugleich die Auftritte auf dem Amphi Festival und der Nocturnal Culture Night ab.

2015 waren sie wieder live zu sehen, unter anderem beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig.

Am 18. März 2017 waren Front 242 Headliner des E-Tropolis Festival in Oberhausen (Turbinenhalle).

Am 12. August 2018 traten sie als Headliner beim M'era Luna Festival 2018 in Hildesheim auf.

 

 

Interview aus dem Jahr 1989 :

 

“Also zuerst einmal : wie läuft eure jetzige Tour aus eurer Sicht?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Es kommt darauf an, auf welcher Seite du dich befindest. Wenn du dich auf der Seite der Gruppe befindest, so finden wir, dass sie noch viele Fortschritte machen muss.”

“Noch viele Fortschritte? Aber ihr habt doch schon bedeutende Fortschritte seit dem ersten Konzert gemacht.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, das stimmt. Das heisst : wir hoffen es. Vor allem bei der Beleuchtung und beim Tontechnischen. Das ist eigentlich alles. Die Tournee verlief bisher eigentlich völlig normal.”

“Gab es speziell gute Konzerte?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, Paris, Lille und ein Ort in Südfrankreich, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Im Allgemeinen eigentlich eher die großen Hallen. Je mehr Publikum reagiert, umso mehr bewegen sich Richard und Jean-Luc.”

“Heute hatte es aber eher wenig Publikum ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Es ist eigentlich nicht die Anzahl, die zählt. Denn ob es jetzt Tausend oder Zweihundert Anwesende hat; sie sehen sowieso nur die Vordersten. Wenn sich diese gut bewegen, so tun es Richard und Jean-Luc ebenfalls.”

“Also ich denke, dass es heute gut war.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ich weiss nicht so recht ... ich schaue eben auch nicht so hin.”

“O.K., kommen wir zu eurer letzten LP. Wo seht ihr Unterschiede zur “Official Version”?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Es ist schwierig zu erklären, denn wir finden, dass wir mehr oder weniger dasselbe wie frühr tun. Natürlich gibt es Weiterentwicklungen, aber die Idee hinter der Musik ist immer dieselbe geblieben. Man hat uns gesagt, sie sei kommerziell, sogar zu kommerziell.”

“Ist es also nicht das, was Ihr machen wolltet.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir dachten eigentlich, wir hätten eine harte Platte gemacht und ich glaube eigentlich immer noch, dass es eine weniger leicht zugänglichen Front-Platten ist. Es ist irgendwie schwieriger für die Leute, auf die neuen Stücke zu reagieren, da sie weniger direkt sind, weniger “bum tschak!”, mehr konstruiert. Ich weiss nicht ... es ist einfach schwierig zu erklären.”

“Aber bei “Official Version” hatte es doch sehr lange Stücke, sehr kurze Stücke, sehr spezielle Stücke - wie z.B. “Agresiva” und “Angst” - es war doch alles eigentlich sehr ungewohnt und unkommerziell. Bei der neuen Platte sind doch alle Stücke ähnlich, haben etwa dieselbe Länge ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Also wir sehen das eben nicht so. Wenn du eine Platte machst, dann sagst du dir nicht : jetzt machen wir eine Seite mit 20 Minuten und eine mit 25 Minuten. Nein, nein. Du machst die Stücke wie du willst und es stimmt, dass wir etwas genug von den 8 Minuten Stücken hatten. Deshalb sind alle Stücke eher kompakt und ähneln sich vielleicht etwas. Aber dies ist Zufall, denn du kannst das nicht im Voraus planen, da die Arbeit für die LP über ein Jahr hinweg andauerte. Und was den Zusammenhang zwischen den Stücken betrifft : Wir wollten eigentlich nach “Official Version”, das wir sehr kommerziell fanden, mehr noch als “Front By Front”, zurück gehen auf etwas zwischen “Geography” und “No Comment” und aus unserer Sicht ist uns das gelungen. “Front By Front” ist eine Platte, auf der man merkt, dass es Front ist, aber die in viele verschiedenen Richtungen geht. Alle Stücke sind durch ihre Idee verbunden - nicht durch ihre Töne und Melodien, aber durch ihre Ideen. Da hat es Stücke wie “Blend The Strengths”, ein seltsames Lied ... .”

“Über was?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Über nichts eigentlich. Es sind Slogans, es ist ein Spiel wie “Agressiva” und “Nomenklatura”. Und es hat Lieder - oder Stücke, die man als Lieder bezeichen könnte, wie “Feelines”. Aber wenn man Stücke wie “Felines” sehr gut anhört, wenn man sozusagen “unter” den Text hinhört, so erkennt man eine sehr seltsame Struktur mit sehr ungewohnten Tönen. Also man eint vielleicht, ausnahmsweise hätte Jean Luc etwas sehr melodiöses gemacht, da wir ja normalerweise den Gesang zerhacken. Aber diesmal haben wir es eben unterlassen, gerade weil “Front By Front” ein Experimental-Album werden sollte. Es hat ja auch das letzte Stück, “Terminal State”, das sehr seltsam ist im punkto Aufbau ... es ist einfach schwierig zu erklären, wie wir das sehen.”

“Über die Themen, also die Ideen im Allgemeinen? Bei “Official Version” hatte es ja Schlagwärter wie Propaganda ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, die neue Platte ist eigentlich raffinierter. Früher, das stimmt, hatte es ein Thema und es war einfach für die Leute, eine Grundidee zu erkennen. Aber auf der neuen Platte ist es sibtiler, weniger offensichtlich, ausser vielleicht Stücke wie “Welcome To Paradise”, “Headhunter” ... die LP ist einfach völlig verschieden punkto Rhythmik. Wir hatten auch genug vom “bum tack bum tack” und “Official Version” war voll davon.”

“Ja, es hat eigentlich sehr viele schwere Rhythmen auf den neuen Stücken.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Was wir versucht haben, das ist, Melodien mit Rhythmus zu machen. In “First In/First Out” hat es viele Rhythmik-Spiele, die die Melodie machen und die ganze Platte ist von dem gefüllt, was wir “rhythmes melodiques” ( = Melodiöse Rhythmen) nennen. Wir hatten Keyboard-Rhythmen und wir hatten sie ersetzt durch Toms und Cymbals. Die Platte ist voll davon. Ausser vielleicht offensichtliche Melodien wie “Untill Death” und “Headhunter”, wo wir das Melodiöse gelassen haben.”

“Ich habe mich immer gefragt, warum es auf “Official Version” Stücke gab, die im Gegensatz zur Live-Version keinen Text hatten (wie z.B. “Red Team” und “W.Y.H.I.W.Y.G.”).”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, wir haben oft geschnitten. Das ist einfach die Art von Front, im Studio zu arbeiten. Wir arbeiten sehr unabhängig voneinander. Jean Luc bringt uns die Texte und den Gesang und es ist eigentlich selten er, der über die letztenendliche Stimmung des Liedes entscheidet. Auch wenn Richard etwas macht, so ist es nicht er, der entscheidet, wie seine Stimme hervorkommen wird. Dasselbe gilt für mich, wenn ich einen Grundrhythmus erschaffe. Das ist eigentlich immer ein anderer, der darüber entscheidet, so dass die ganze Musik möglichst Objektiv bleibt. Und die beiden Mixes der beiden Stücke, von denen du redest, sind nicht mit Jean Luc gemacht worden und wir haben uns erlaubt, rumzuschneiden ... wir machen was wir wollen - das ist eigentlich das Gute daran : wir brauchen nichts zu respektieren. Und auf der neuen Platte ist es dasselbe. Nimm z.B. ein Lied wie “Terminal State” : auf der Platte hat es vier oder fünf Gesangs-Spuren. Jean Luc macht nämlich immer verschiedene Versuche, von denen wir normalerweise einen oder höchstens zwei verwenden. Diesmal haben wir einfach alle draufgetan ... und er hat eben keine Kontrolle darüber. Genau dasselbe gilt für mich : wenn ich Gitarren “mache”, dann wird es eher  Patrick sein, der sagt : “Hier brauchen wir eine, hier nicht!”.”

“Also z.B. bei “W.Y.H.I.W.Y.G.” hattet Ihr zuerst den ganzen Text und habt erst dann die spezielle LP-Version daraus gemacht, auf der man den Text nur Teilweise und Zerhackt vorfindet?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Genau. Dasselbe z.B. bei “Take One”, das ein sehr altes Stück ist. Die Platten-Version ist sehr “Remix”, aber live hast du den ganzen Text, den Jean Luc auf der Platte nicht einmal singt. Und deshalb haben viele Leute “Take One” immer als “Remix” einer Platte angesehen, die gar nie existiert hat.”

“Wenn du gerade von “Take One” redest : mir ist aufgefallen, dass ihr nun sehr wenig alte Stücke gespielt habt. Ich glaube vier oder fünf. Wollt ihr euch vom Alten loslösen, dass ihr Klassiker wie eben “Take One” nicht mehr spielt?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wenn wir “Take One” spielen, dann müssen wir auch automatisch “Funkhadafi”  bringen! Es gibt auch Leute, die nicht aufhören, uns nach “Commando Mix” zu fragen.

Wir wollen eigentlich auch etwas riskieren, denn es ist wirklich einfach, sich in der Routine festzulegen : Die Leute mögen es gerne und es ist einfach, das zu bringen, was sie wollen. Und nach der Platte hatten wir es irgendwie satt und haben beschlossen, live alles zu ändern. Wir haben das Risiko auf uns genommen, den ganzen Militarismus über Bord zu werfen.”

“Ja, das ist wohl den meisten aufgefallen. Fehlten da nicht auch die russischen Samples bei “Red Team”?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, aber das sind die Schlagzeuge! Richard hatte diese Samples auf seinen Schlagzeugen. Da er seit der letzten Tour von sechs auf drei Toms reduziert hat, wurden die drei “russischen” einfach weggeschmissen. Ha ha. So läuft das bei uns und für viele Sachen verlief es ähnlich, so dass die Stücke anders tönen. Wir hatten wirklich Lust, ein Risiko einzugehen und etwas völlig anderes zu machen. Manchmal macht das Publikum mit, manchmal nicht ... .”

“Und der Emulator II von Patrick? Habt ihr den durch ein neues Gerät ersetzt?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein, nein. Es ist immer noch dieselbe Maschine. Es ist ein Gerät, das durchschnittlich alle 15 Tage eine Panne hat und wir hatten echt keine Lust mehr, weiterhin Werbung für den Emulator II zu machen! Es ist wirklich ein mieses Gerät ... ich glaube gerade gestern ist es wieder ausgefallen ... und in Liege, wo wir ihn vor dem Konzert noch einmal ganz auseinandernehmen mussten!”

“Was macht eigentlich Patrick live? Ist die gesamte Melodie nicht schon auf Tape?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein ... es kommt darauf an. Wir mögen es eigentlich nicht so sehr, wenn die Melodien ihren festen Platz auf dem Tape haben. Wir wollen frei sein, zu variieren, umzuändern. Wir wollen eigentlich keine Musiker sein und immer dieselbe Soundstruktur verwenden.”

“Eure nächste Maxi “Never Stop” wird bald erhältlich sein. Wird es auch ein reines Tanzstück?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja. Er besteht aus Slogans!”

“Keine Idee dahinter?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein. Höchstens die, welche der Zuhörer dem Stück geben will. Es ist eigentlich wie “Take One”. Es hatte gar keine Idee hinter “Take One” - es war wirklich nur “Dancefloor”.”

“Aber bei “Take One” hatte es doch einen Text, eine Idee oder zumindest eine Atmosphäre ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja ... aber sehr verschwommen.”

“Kommen wir zu den Graphiken. Ich glaube, ihr macht alles selber. Also ich fand das LP-Cover ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “... wirklich mies.”

“Was? Ihr findet es selber nicht gut?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein, nein. Ich meine nur, dass uns schon viele Leute so was gesagt haben. Etwa ein Drittel der Leute sind deiner Meinung ... .”

“Und ihr seid zufrieden?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wenn du die Katastrophe gesehen hättest, die es vorher war, würdest auch du meine, dass das Cover wirklich gut ist!

Wir hatten ein Projekt gemacht und es war eigentlich das erste Mal, dass wir jemandem außerhalb der Gruppe vertraut haben ... einem sehr teuren Graphiker. Wir haben ihm eigentlich ein Photo der Computergrafik unseres Projektes gegeben und haben ihm gesagt, er solle es ausarbeiten ... und schließlich ist nicht viel von unserer Graphik übriggeblieben! Es sollte etwas sehr Einfaches werden und er sollte etwas mit den Materialien spielen. Wir wollen ein großes Cover mit einer sehr rauhen Struktur und dem glänzenden Logo im Relief und wie du es gesehen hast, ist es überhaupt nicht so geworden!

Aber schlussendlich ist es doch nicht DIE Katastrophe, denn wir hatten zwischendurch immer wieder Vorschläge erhalten, die wir natürlich allesamt abgelehnt haben. Aber da war das Limit-Datum ... die Platte war versprochen und sie musste gepresst werden ... und so ist sie dann herausgekommen.”

“Aha. Ich war eigentlich auch sehr überrascht, denn bis jetzt hattet ihr doch immer unglaublich gute, Ideenreiche und z.T. neuartige Covers.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Also, man muss schon betonen, dass wir diesmal wirklich etwas einfaches wollten. Keine Photos, ausser vielleicht im Innern - und auch die sind ja misslungen!”

“Ja, eben. Ich habe mich gefragt, warum ihr Live-Photos gewählt habt, auf denen man wirklich nichts erkennen kann ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Auf dem Amiga hat man jedenfalls alles gut gesehen ... aber auch hier : es sind nicht wir, die die Photos gemacht haben, und es ging alles daneben. Aber jetzt ist das beendet - wir vertrauen das nicht mehr jemand außerhalb der Gruppe an. Das nächste Cover (“Never Stop”) - ob du es magst oder nicht - wird wieder 100%ig von uns sein.”

“O,K.. Ich möchte noch auf etwas eingehen, das du vorhin erwähnt hast, nämlich die Tatsache, dass Ihr “dem Militarismus über Bord geworfen habt”.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Vor allem das Image. Es gibt vielleicht immer noch Elemente, die die Leute als militaristisch bezeichnen können, wenn sie es wollen. Z.B. hat man uns gesagt, dass die Kleidungen Militäranzügen ähnlich seien. Aber das sind nur gewisse Leute, die so etwas meinen.”

“Aber man kann doch sagen, dass wirklich militaristische Elemente wie z.B. die Tarnnetze weggelassen wurden.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ich glaube, das würde nicht mehr in unsere Zeit passen und da wir mit Medias und Informationen arbeiten, da stoßen wir eben auf Sachen wie “Glasnost” und ähnliches und das wiederspiegelt sich eben in dem, was wir machen, denn jetzt gibt es nicht mehr all diese Slogans und politische Spannungen.”

“Ja, so etwas wie “Nomenklatura” wäre heutzutage nicht mehr möglich ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “... es wäre sogar recht doof!”

“Es stimmt, dass die Angst, die aus “Nomenklatura” herauszuhören ist, heute keine Berechtigung mehr hätte.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Richtig. Dasselbe gilt für “Commando Mix”. Es ist unmöglich, jetzt so etwas zu machen, ohne dass es klischeehaft und veraltet wirkt. Es ist vielleicht desshalb, dass “Front By Front” gefallen oder missfallen wird, weil die Media-Elemente, die darin enthalten sind, viel weniger stark sind, aber das liegt daran, dass im Moment eben nichts starkes in der Welt passiert - es ist fast bedauernswert.

Und es gibt Sachen, von denen wir nicht reden, weil es etwas blöd wäre. Z.B. das Erdbeben in Armenien. Das ist - zumindest nicht für uns - ein wirklich starkes Ereignis.”

“Weil es uns nicht direkt betrifft?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, wahrscheinlich. Und auch die kriege wie Iran/Irak sind schon so klischeehaft und alt, dass wir nichts daraus machen können.”

“Also sind es die Medias, die auch dazu bringen, eher etwas ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “... einfacheres zu machen.”

“Also “Dancefloor”?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir kommen eigentlich zu dem zurück, was wir früher gemacht haben, dann zur Zeit von “Geography” und “Take One”, wo alles auf der Information und das Sampling basiert war - d.h. damals waren es eigentlich Tape-Maschinen - eben zu dieser Zeit war es eigentlich auch nicht so strak, was in der Welt vor sich ging.”

“Heutzutage versteckt ihr euch in Interviews oft hinter Standardsätzen, habt ein ausgeschliffenen Konzept. War das in den Anfängen, also zur “Geography”-Zeit ebenso?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir hatten schon dort ein Image. Es gab immer diese Idee hinter der technologischen Musik. Und sie war eigentlich nicht ganz neu, denn es gab schon viele Leute, die das gemacht hatten und auch gut gemacht hatten. Es ist einfach so, dass wenn du bessere Mittel zur Verfügung hast, die Musik raffinierter wird und du besser ausdrücken kannst, was du willst. Bei “Geography” hatten wir vier Spuren, maximal 8 und sehr wenig Instrumente, kein Sampling, nur Tapes, also Kassetten und da gab es ganz lustige Geschichten ... .”

“Zum Beispiel?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Bei einem Stück, das “GVDT” heisst, da hörst du eine Stimme und danach ein kleines Geräusch und das ist in Wirklichkeit das Geräusch vom Zurückspulen der Kassette. Du musst dir vorstellen : Nach jedem Abspielen des “Samples” mussten wir das Tape in Blitzeile wieder zurückspulen! Ha ha. Da siehst du, mit welcher Art von Technik wir uns damals herumschlagen mussten!”

“Und du, was machst du eigentlich während des Konzertes?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Es kommt drauf an. ich arbeite mit der Stimme von Richard, mit der Kassette oder mit bestimmten Geräuschen. Wenn also Patrick ein Stück mit Samples füllt, dann bin ich gezwungen, noch das meinige dazuzugeben. Es ist eigentlich das “Tagesfeeling” und heute hatte ich nicht große Lust, extrem auf “Industry” zu machen, so dass ich - ausser beim letzten Stück - nicht viel Lärm dazugemischt habe. Es kommt wirklich auf den Tag an. So viel wie in Paris habe ich beispielsweise noch selten gearbeitet.”

“Ihr habt euch in all den Jahren seit eurer Gründung eine Art “Image” zugelegt. Ihr seid die “U-Men”, die “Unidentified Men”. immer mit schwarzen Brillen und es ist doch fast unmöglich, an euch heranzukommen ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Etwas weniger als früher. Wir finden eigentlich alle, dass die Gruppe im Moment etwas “über-mediatisiert” ist. Wir haben einfach keine totale Kontrolle ... wir könne der Presse nicht vorschreiben, welche Bilder die nicht verwenden darf. Das können wir einfach nicht, das wäre Zensur. Ich meine, wenn sie einen Artikel über uns bringen, dann nehmen sie einfach die Bilder, die sie auftreiben können oder schreiben einfach, was sie wollen. Wir können nichts machen, wir sind einfach etwas “über-mediatisiert”.”

“Ihr habt immer mehr Erfolg. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem die Fans mehr über euch werden wissen wollen. Was werdet ihr tun, wenn die Journalisten fragen, was ihr privat tut?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir antworten sowieso nie auf solche Fragen. Also werden wir uns hinter den üblichen Slogans und Aussagen zurückziehen, die wir auswendig können. Dies muss einfach so sein, denn sonst bist du nicht konsequent. Dann wirst du nämlich dein Leben in der einen Zeitung, Jean Luc´s Leben in einer anderen Zeitung erzählen, dann wirst du deine persönliche Meinung über die Gruppe bringen, jeder wird seine eigenen Ideen darstellen und das geht einfach nicht! Wenn du etwas für ein Logo wie Front 242 machst, dann musst du bis zuletzt stark konsequent bleiben und die Leute zum Glauben bringen, Front 242 sei das, was du ihnen erzählst, und nicht all diese Geschichten, die mit der Musik nichts zu tun haben.”

“Also lasst ihr keinen Moment etwas von eurem Privatleben durchschimmern?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein. Im Gegenteil : wir sind sehr sauer wenn das geschieht. Denn es gibt Leute, die wir gut kennen und zufällig Journalisten sind, die schon Sachen über uns enthüllt haben, die wir niemals gestattet hätten. Solche Leute sind für uns lebenslänglich abgeschrieben - wir wollen sie nicht mehr sehen.”

“Gibt es auch Journalisten, die immer gegen euch waren, und plötzlich mit euch?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, ja. Wir haben eben die große Aussöhnung mit einer flämischen Zeitschrift gemacht, die uns immer gehasst hat. Dasselbe gilt für einen Journalisten, der einmal ein Interview mit uns gemacht hatte, der dann aber etwas völlig anderes geschrieben hatte, so dass wir damals Lust hatten, ihn umzubringen ... wir waren danach wirklich nicht sehr höflich! Ha, ha! Dabei war unser Gespräch wirklich sehr sympathisch verlaufen. Es lag wohl daran, dass er ein bestimmtes Bild von der Gruppe wiedergeben wollte und ihm das nicht gelungen ist. Na ja, uns gibt´s immer noch ... und auch sie gibt´s noch mehr oder weniger.”

“Was haltet ihr denn von den Artikeln, die versuchen das Phänomen “Front 242” zu erklären?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir würden ehrlich gesagt lieber keine Interviews geben. Was wir eigentlich einmal gerne gemacht hätte, aber wozu wir leider nie Zeit gefunden haben, das ist eine Videokassette zusammenzustellen mit allen bisher erschienen Interviews. Wir könnten eigentlich auch alles über Front 242 auf einem A4-Blatt schreiben und dieses dann den Journalisten verteilen. Aber eben : sie mögen das nicht so sehr und ich glaube, auch du würdest es nicht lustig finden, wenn ich dir einfach ein Blatt in die Hand drücken würde und sagen würde : “Schlag dich mit dem rum!”

Und alle sind so. Wir würden es wirklich vorziehen, keine Interviews zu geben. Und wenn du Lust hast, auf vier Seiten deine eigene Idee über Front 242 auszudrücken - selbst wenn du die Gruppe mies findest - dann haben wir es lieber, wenn die Leute ihre Meinung über Front erklären, denn selbst wenn du schreibst, Front 242 sei mies, dann wird in der Erklärung auch stehen, warum, so dass es doch das Interesse von einigen Leuten wecken wird. Diese werden sich nämlich sagen : “Der Journalist fand es mies, weil die Gruppe mit Samples und Media arbeitet. Mich aber interessiert das. Ob der Journalist das jetzt mag oder nicht, das ist mir egal. Ich will sehen, was die Gruppe macht.”

Du siehst also : wenn du die Gruppe “gut” fertigmachst, also nicht einfach schreibst “Die letzte Platte ist wirklich Scheisse.”, sondern “Ich mag die letzte Platte nicht, weil ...”, dann wir sich jeder seine eigene Meinung davon machen können. Und wir mögen das. Wir mögen es nicht, wenn jemand schreibt “Die Platte ist Scheisse” - und ich glaube nicht, dass dies jemand interessant finden wird - oder “Die Platte ist grandios”. Das sind einfach leere Aussagen. Wir bevorzugen es ganz klar, wenn Journalisten sich ausdrücken.”

“In Belgien wart Ihr doch so ziemlich die Ersten, die eine solche Musik gemacht haben. Jetzt gibt es immer mehr, die doch etwas von eurem Erfolg profitieren. Was denkt ihr darüber?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Es kommt darauf an. Es gibt verschiedene Arten des Profitierens. Gruppen, die nur ähnliche Musik machen, um sich auf dem Markt zu etablieren, um dann auf Gitarrenmusik umzusteigen, diese Gruppenhaben wirklich profitiert und ein Publikum ausgenutzt. Aber jetzt gibt es auch andere Bands, die von der “Bewegung” profitiert haben, wie “The Weathermen”, “The Klinik” und “E!Truchneon”. Diese Art von Gruppen ist interessant, denn auch wenn sie vielleicht nicht die Mittel haben, die Musik zu realisieren, die sie wollen, so ist die Basis-Idee dahinter interessant. Und sie wollen nicht Front 242 Musik machen! Es ist dasselbe wie damals, als wir angefangen haben. Ich glaube, wir haben angefangen, weil die Technologie und faszinierte, aber es gab doch Gruppen wie DAF und Kraftwerk, die uns wahrscheinlich - ob wir es wollen oder nicht - beeinflusst haben. Das ist wohl verständlich. Und selbst jetzt noch, wenn du z.B. “First In/First Out” nimmst, so erkennst du überall Spuren der aktuellen Musik und wir streiten das auch nicht ab. Wenn wir die “News” verwenden und samplen, dann tun wir dasselbe auch mit der Musik. Das gehört dazu.

Und ich glaube, wenn eine Gruppe sich sagt : “Front 242 ist gut. ich möchte auch Musik machen. Ich werde mit ähnlicher Musik beginnen und mich dann weiterentwickeln.”, dann ist das durchaus gut. Nimm z.B. “à;GRUMH...”. Ich war zwar nie dieser Meinung, aber man sagt, am Anfang hätten sie wir Front getönt. Aber jetzt hat es nichts mehr mit Front zu tun, es ist eine eigene Bewegung geworden. Ich finde das sehr interessant. Aber wenn du natürlich konforme Front-Kopien ansprichst, dann leg ich natürlich auch lieber eine alte DAF-Platte auf.”

“Wenn du gerade von “à,GRUMH...” sprichst : Hast du nicht geholfen, die erst LP aufzunehmen?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja, aber in diesem Milieu kennt man sich. E!Truchneon waren z.B. Leute, die immer auf unsere Konzerte kamen, die nicht unbedingt Musiker waren und durch unsere Musik-Art interessiert jetzt selber Musik machen. Es ist interessant, es gewissen Leuten zu ermöglichen, so etwas zu machen. à;GRUMH... war dasselbe : er konnte nichts spielen und dann hat er einfach plötzlich angefangen.”

“Ich möchte gerne mal ein Gerücht klarstellen. Man sagt, ihr hättet in den USA einmal absichtlich eine Show geschwächt, weil die Aggressivität dort nicht so gut ankäme wie hier. Stimmt das?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein. Wir haben nur einmal eine Show abgeändert und das war, als wir in New York angekommen sind. In den USA ist es nämlich manchmal wie in der Prähistorik : z.B. als wir wir in New York entdeckt haben, dass es dort nur ein Mono-System gab! Wir haben gesagt : “Aber das ist doch unmöglich! Wir können doch nicht auf einem Mono-System spielen! Das gibt´s doch gar nicht!”. Da haben sie uns geantwortet : “Aber nur Gruppen wie Pink Floyd und Genesis spielen in Stereo!”

Es war unglaublich! Also haben wir nur die Stücke genommen, die auch Mono spielbar waren und das waren dann nur drei. Wir haben also ein Konzert mit drei Stücken gemacht und sind dann abgehauen.”

“Ja? Habt ihr da Mega-Extended-Remixes gebracht?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein. Dreimal vier Minuten und dann fertig! Sie haben uns verarscht, wir haben sie verarscht!”

“Wie ist denn so das Publikum in den USA?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wie überall ... interessant, falls du es schaffst, sie von deiner Musik zu überzeugen. Es ist sehr gemischt : es hat Schwarze, Weiße, Junge, Alte.”

“Ich hab´ nämlich einmal auf einem ´85 Live-Tape in Chicago gehört, wie Richard am Ende des Konzertes geschrien hat : “Mann sind die blöd, diese Leute!”.”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ja ... heute hast du es vielleicht nicht gehört, weil alles gut verlaufen ist, aber wenn sich das Publikum nicht bewegt, dann genieren wir uns nicht, unsere Meinung zu sagen.

In den USA haben wir natürlich französisch geredet, weil die Leute uns dann nicht verstanden, wenn wir solche Sachen aufrufen, dann ist das eher von uns gedacht, weil es uns etwas entspannt und zum Lachen bringt. Weißt du, wenn es hart ist, dann wirken auch sehr doofe Sätze wie “Ihr seid alles Blödmänner!” entspannend, weil alle es hören, aber nur wir es verstehen ... d.h. meistens, denn in New York z.B. hatte es auch einen Franzosen im Publikum, der dann gesagt hat : “Mais non!”.

Aber auch so machen wir dauernd Bemerkungen, die das Publikum nur teilweise hört.”

“Ich möchte noch auf eine zweite Aussage eingehen, die man über euch gemacht hat. Da ihr von der Musik lebt, seid ihr dann gezwungen, kommerzielleren Sound zu machen?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Nein ... hör´ dir einmal unsere nächste Maxi (“Never Stop”) an. Es hat da z.B. das letzte Stück (“Work 242”), ein großes lärmiges Ding. Also wenn das kommerziell ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter ... .

Auch Sachen wie “Terminal State” finde ich eigentlich nicht sehr kommerziell so wie der Rest von “Front By Front” auch. Ich sage ja : wir dachten wirklich, etwas Hartes geschaffen zu haben.”

“Also lebt ihr noch nicht von eurer Musik?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Doch, da sind drei Leute, die davon leben und eine Person, die es könnte, aber vorläufig nicht will.”

“Wie findet ihr Brüssel als Stadt?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Eigentlich mies. Aber es ist eigentlich dasselbe mit allen Städten, in denen du lebst. Du glaubst, dass in Brüssel etwas ganz besonderes vor sich geht, aber wenn du die Musik-Szene kennenlernen willst, dann brauchst du Kontakt und Beziehungen. Ich würde also niemals jemanden empfehlen, nach Brüssel zu reisen, um die “neue Musik” zu spüren. Dazu müsste man nämlich tiefer gehen, Leute kennen. Eigentlich sind doch alle großen Städte mies.”

“Also mögt ihr keine Stadt speziell?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Ich kann nicht für die anderen reden, aber was mich betrifft, so mag ich wirklich keine.”

“Die letzte Frage gilt der Zukunft. Geht ihr auch in die USA?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Im März werden wir erstmals den Rest Europas machen ... und dann ... also voraussichtlich wird´s klappen, aber sicher ist nichts. Nur schon wenn das Flugzeug abstürzt ... es gibt immer etwas, das dazwischenkommen kann, aber im Moment siehts noch gut aus für etwa 15 bis 20 Konzerte.”

“Und nach der nächsten Maxi wird die große Pause kommen?”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Wir wollen eigentlich etwas mit den Life-Aufnahmen anfangen, da wir schon lange davon reden und viele Leute bitten uns darum, etwas zu veröffentlichen. Aber wir werden nicht wirklich eine Live-Platte machen - abgesehen davon, dass die ganze Rhythmik auch live nur von Tape kommt - sondern werden, falls z.B. bei einem alten Stück nur 25% gut sind, die verbleibenden 75% neu bearbeiten und abmischen. Dies alles nur, um nicht eine stupide “Rock-Live-Platte” zu veröffentlichen, bei der im Vergleich zum Konzert einfach das visuelle fehlt. Ich denke aber, dass man das Visuelle auf einer solchen Platte durch zusätzliche akustische Effekte ersetzen sollte.”

“Eine sehr lange Arbeit ... .”

Daniel Bressanutti / Front 242 : “Sehr lange!”

 

 

 

 

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