Signierte Vinyl-Cover :

 

- 3 Times 6
- à;GRUMH
- A Split-Second
- Alphaville
- And One
- Anne Clark
- Armageddon Dildos
- Axodry
- Big Country
- Bigod 20
- Blancmange
- Blind Vision
- Borghesia
- Boytronic
- Bronski Beat
- BROS
- C. C. Catch
- Camouflage
- Cat Rapes Dog
- China Crisis
- Catastrophe Ballet
- Dance Or Die
- Deine Lakaien
- Depeche Mode
- Death In June
- Desireless
- D.A.F.
- Die Krupps
- Dive
- Erasure
- Extrabreit
- Fancy
- FEE
- Fine Young Cannibals
- Fischer-Z
- Fräulein Menke
- Front 242
- Front Line Assembly
- Gabi Delgado
- Hante
- Heaven 17
- History Of Art
- Howard Jones
- Hubert Kah
- IC Falkenberg
- Invisible Limits
- Jawoll
- Joachim Witt
- John Foxx
- Kirlian Camera
- Kode IV
- Konzept
- Kraftwerk
- Leaether Strip
- Lene Lovich
- Lost Image
- M. L. Gore
- Markus
- Men Without Hats
- Metropolis
- Micro Chip League
- Midge Ure
- Mike Mareen
- Moskwa TV
- Negapadres
- New Order
- Nitzer Ebb
- Nylon Euter
- P. Lion
- Parade Ground
- Paranoid
- Paso Doble
- Peter Schilling
- Poupée Fabrikk
- Propaganda
- Project Pitchfork
- Psyche
- Real Life
- Rheingold
- Sandra
- Scope
- Scritti Politti
- Signal Aout 42
- Sixth Comm
- Skinny Puppy
- Stalingrad
- T´Pau
- TXT
- The Assembly
- The Cassandra Complex
- The Dancing Zone
- The Force Dimension
- The Invincible Spirit
- The Neon Judgement
- The Twins
- The Weathermen
- Thompson Twins
- Tommi Stumpff
- Two Of Us
- Tyrell Corp.
- UKW
- Ultravox
- Umo Detic
- Various Artists
- Vanishing Heat
- Veljanov
- VNV Nation
- Visage
- Yazoo
- Yello

 

Signierte Cover : Front Line Assembly

 

12” : Digital Tension ...

12” : Iceolate

12” : Mindphaser

12” : No Limit

12” : Provision

 

12” : Virus

LP : Caustic Crip

LP : Corrosion

LP : Disorder

LP : Gashes, Senses ...

 

LP : State Of Mind

LP : Tactical Neural ...

LP : The Initial Command

 

 

Front Line Assembly (FLA, gelegentlich auch Frontline Assembly geschrieben) ist ein kanadisches Musikprojekt aus Vancouver.

Der in Wien geborene Bill Leeb verließ 1986 Skinny Puppy, wo er seit 1985 unter dem Pseudonym Wilhelm Schroeder Synthesizer und E-Bass spielte. Zusammen mit Michael Balch (Keyboard, E-Gitarre) gründete er Front Line Assembly. Zu den Haupteinflüssen zählt die Gruppe Bands wie DAF, Portion Control, SPK und Liaisons Dangereuses. Nach den zwei Demokassetten im Jahr 1986 erschien ein Jahr später das Debütalbum The Initial Command. Im gleichen Jahr wurde das Nebenprojekt Delerium gegründet.

1988 erschien das Folgealbum State of Mind. Mit den beiden Mini-Alben Corrosion und Disorder begann die Zusammenarbeit mit Wax Trax! und Third Mind Records. Die beiden EPs wurden im selben Jahr als Kompilation Convergence und 1995 mit Bonustiteln als Corroded Disorder veröffentlicht.

1989 erschien das dritte Album Gashed Senses & Crossfire. Nach der Veröffentlichung stieg Balch aus und Rhys Fulber wurde Vollmitglied. Ein Jahr später folgte Caustic Grip, 1992 erschien Tactical Neural Implant. Die Single Mindphaser wurde von MTV als Independent-Video of the Year 1992 ausgezeichnet. Es folgte der Wechsel zu Roadrunner Records und das nächste Album Millennium (1994), auf dem Front Line Assembly erstmals ihren Industrial-Sound um Metal-Gitarren ergänzte, die von Devin Townsend und Don Harrison eingespielt wurden. Auf dem Folgealbum Hard Wired (1995 bei Off Beat und wie die folgenden Alben in den Vereinigten Staaten von Metropolis Records vermarktet) verbanden Bill Leeb und Rhys Fulber die Gitarren von Millennium mit der Atmosphäre von Tactical Neural Implant.

1997 kollaborierte Front Line Assembly mit Die Krupps auf dem Remix-Album Remix Wars, wenig später verließ Fulber die Band und wurde durch Chris Peterson ersetzt.

Die neue Besetzung debütierte 1998 mit FLAvour of the Weak. Das Album bot typische Dance-Elemente wie Drum and Bass und Electronica. Es folgten die Alben Implode (1999) und Epitaph (2001). Nachdem Peterson die Gruppe verlassen hatte, kehrte Rhys Fulber zurück und Front Line Assembly veröffentlichte Ende 2003 die Single Maniacal, gefolgt 2004 vom Album Civilization. 2005 kam auch Chris Peterson wieder zurück zur Band und im Juni 2006 erschien das Album Artificial Soldier. Es folgte eine Welt-Tournee und 2007 veröffentlichte Front Line Assembly das Album Fallout, das hauptsächlich aus remixten Stücken von Artificial Soldier sowie drei neuen Titeln bestand.

Das Studioalbum Improvised Electronic Device erschien 2010, allerdings ohne Beteiligung von Fulber, der zu dem Zeitpunkt mit seinem Projekt Fear Factory ausgelastet war. Neben Leeb und Peterson gehören seitdem Jeremy Inkel (Synthesizer) und Jared Slingerland (Gitarre) zur Besetzung der Band.

Seit Ende 2011 arbeiteten FLA am Album AirMech, welches den Soundtrack zum gleichnamigen Computerspiel darstellt und am 14. November 2012 auf Metropolis veröffentlicht wurde. 2013 wurde das Studioalbum Echogenetic über Metropolis veröffentlicht. Am 9. Mai 2014 erschien das Remixalbum Echoes.

Im Jahr 2018 erschien der zweite Soundtrack zur AirMech-Reihe, das Album heißt WarMech. Zuvor ist Jeremy Inkel überraschend verstorben.

Im Jahr 2019 ist das reguläre Album Wake up the coma erschienen mit drei Gastsängern und u. a. einer Coverversion von Rock Me Amadeus von Falco.

 

 

Interview von 1988 :

 

“Front Line Assembly sind leider immer noch nicht allen hier in Europa ein Begriff. Erzähl uns doch ein wenig aus FLA´s Vergangenheit!”

Bill Leeb : “Nun ich gründete FLA vor etwas über 2 Jahren, ursprünglich als blosses Solo-Projekt. Später, nachdem ich bereits zwei Kassetten im Eigenverlag veröffentlicht hatte, kam Michael Balch als festes Mitglied und Rhys Fulber als gelegentlicher Gastmusiker dazu. Ich benutzte seinerzeit ein Pseudonym, Wilhelm Schröder für die beiden ersten Skinny Puppy LP´s “Remission” und “Bites”. Neben Skinny Puppy hatte ich usammen mit Nivek, heute immer noch bei Skinny Puppy, ein weiteres Projekt laufen, das sich Mutual Mortuary nannte. Plattenaufnahmen existieren allerdings keine.

Mit 15 Jahren kam ich aus Wien hierher nach Vancouver mit meinen Eltern. Im Moment geht es mit Front Line Assembly endlich etwas aufwärts. Wir beginnen, auch etwas Geld damit zu verdienen, da sich unsere letzte LP “Corrosion” sehr gut verkauft.

Neben der Musik bei FLA bin ich auch einmal die Woche als DJ im wohl besten Club hier in Vancouver beschäftigt.

“Woher stammt der Name Front Line Assembly, respektive : Was soll er aussagen?”

Bill Leeb : “Der Name kommt, wie schon bei Front 242 übrigens, hauptsächlich von einer militärischen Idee. Das hat nichts mit Gewaltverherrlichung zu tun. Das “Front” ist in unserem Fall der Ort, wo die Action, der Kampf stattfindet. und die FLA (Frontlinien Versammlung) ist der Versammlungsort. wo sich die Leute treffen, um gemeinsam einen Propaganda-Krieg zu führen. Einen Kampf gegen all die Missstände und Übel in unserer Gesellschaft. Natürlich können wir diesen Kampf alleine nicht für uns entscheiden, aber wir können versuchen, wenigstens einen Teil dazu beizutragen - durch unsere Musik!”

“Habt ihr schon oft live gespielt und sind auch Auftritte in Europa geplant?”

Bill Leeb : “Nein, bisher bin ich eigentlich nur mit Skinny Puppy aufgetreten. Das hängt damit zusammen, dass FLA bisher eben nicht von großem Erfolg verwöhnt waren. Ich meine, unsere erste Platte erschien ja auch erst vor einem Jahr. Irgendwie finde ich es unsinnig Tausende von Dollar in Live-Equipment, Transporter und Promotion zu investieren, um dann vor vielleicht 50-100 Leuten aufzutreten. Michael und ich fanden, es wäre sinnvoller, dann aufzutreten, wenn auch wirklich ein Bedarf und eine große Nachfrage dafür feststellbar ist. ... und im Moment sieht es ganz danach aus. Jedenfalls sind wir im Begriff, ein Live-Set einzustudieren und uns seriös auf eine Live-Tour vorzubereiten, die wahrscheinlich Anfang 1989 in Europa starten wird.”

“Alain Neffe (Insane Records) hat eine wichtige Rolle in FLA´s Werdegang gespielt.”

Bill Leeb : “Ja, gewiss! Ich sandte damals unsere erste Skinny Puppy-Kassette an Neffe und bin seit damals in engem Kontakt mit ihm.Er hat uns dann auch an K.K. Records vermittelt, wo wir unsere erste FLA-LP veröffentlichten. Insgesamt haben wir 4 Songs für 4 Insane-Sampler zur Verfügung gestellt. Ich schätze Alain sehr dafür, was er tut. Vor allem, weil es auch sehr hart für ihn ist, überhaupt Geld mit seinen Samplern zu verdienen. Er verdient eigentlich überhaupt nichts damit und es ist gut zu wissen, dass es immer noch Menschen gibt, die um der Musik Willen arbeiten und nicht dem Geld nachrennen. Ich bewundere ihn dafür!”

“Warum habt ihr seinerseits von KK Records zu Dossier Berlin und Third Mind gewechselt?”

Bill Leeb : “Der Grund, dass wir mit verschiedenen Labels arbeiten ist in erster Linie der, dass ich mich immer und zu jedem Zeitpunkt frei und ungebunden fühlen will. Deshalb wollen wir nicht lange mit einem Label zusammenarbeiten. Das hat nichts mit Unzufriedenheit mit bestimmten Labels zu tun, sondern eher mit einer Art “Freiheitsschutz”.”

“Was wollt ihr mit eurer Musik in erster Linie ausdrücken?”

Bill Leeb : “Wir wollen niemanden diktieren, was er zu tun oder zu lassen hat. Mit  unserer Musik möchten wir mehr hinweisen auf die Falschheit und Unfairness in der Welt. Darüberhinaus wehren wir uns gegen die für unseren Alltag immer bestimmender werdende Übermacht der Medien. Berühmtheit und Ruhm sind nicht wirkliche Realität, sie bedeuten oft nur Träume für die meisten Leute. Die Menschen sollten nicht in Träumen leben, sondern sich mehr und mehr über die Dinge bewusst werden, die um sie herum - in ihrer nächsten Nähe - geschehen. Ich glaube, das wird den Menschen schlussendlich mehr Erfüllung bringen. Propaganda ist überall und persönliche Freiheiten und individuelle Ideen werden immer mehr kontrolliert werden. Wir müssen mit aller Kraft versuchen, uns dieser Entwicklung zu Entwinden und uns selbst treu zu bleiben. Unsere Eigenständigkeit ist das einzige, was wir haben und das zu schützen sich heute noch lohnt.”

“Welche Instrumente benutzt ihr und welche Bedeutung hat der Sampler für euch, in der heutigen Hard-Electronic-Music?”

Bill Leeb : “Also grundsätzlich sind wir bereit, jedes Instrument zu benutzen, solange es in irgendeiner Art und Weise zu unserem Sound, zu einem bestimmten Song passt. Wir kennen da keine Beschränkung. Natürlich ist die Erfindung des Samplers etwas vom Größten, gerade für unsere Art der Musik. Der Sampler eröffnet der Hard-Electronic-Music völlig neue Türen, da du damit Zugang zu so vielen neuartigen Sounds erhältst. Der Sampler ist wohl der wichtigste Bestandteil unserer Musik. Im Detail geben wir die Namen unserer Instrumente nicht preis, da wir der Meinung sind, das geht nur die Band selbst etwas an.”

Wo nehmt ihr eure Inspiration her? Gibt es für euch bestimmte Bands, von denen ihr sagen könnt : “die haben mich beeinflusst”?”

Bill Leeb : “Einflüsse nimmst du überall her : Fernsehen, Nachrichten, Filme oder einfach von alltäglichen Begegnungen, Erlebnissen und Erfahrungen. Musikalisch sind wir wohl am meisten durch die Bands Liaisons Dangereuses, frühe DAF, Portion Control, Throbbing Gristle oder Severed Heads beeinflusst worde, wenigstens was mich betrifft.”

“Was kannst du uns über die “Scene” in Vancouver und Kanada allgemein sagen?”

Bill Leeb : “Ich glaube, Vancouver ist wirklich der beste Ort für unsere Art von Musik innerhalb Kanadas. Es gibt zwar viele Gitarren-orientierte Bands hier, aber der Electronic-Sektor ist breiter als anderorts. Natürlich verfügt USA über eine weitaus grösere und wohl auch bessere Electronic-Szene, aber zumindest innerhalb Kanadas, nimmt Vancouver schon eine Vormachtsstellung ein.”

“Denkst du, dass Electronic Music überhaupt noch entwicklungsfähig ist?”

Bill Leeb : “Unbedingt! Ich finde, die aktuelle Hard Electronic-Music ist besser, als sie je gewesen ist und ist im Begriff, sich weiter zu verbessern. Einfach aus dem Grund, weil auf der technologischen Seite immer wieder bahnbrechende, neue Entwicklungen und Erfindungen gemacht werden. Das Potential an gute, neuen Ideen scheint mir hier ungebrochen. Je mehr sich die Technik entwickeln wird, desto mehr entwickelt sich auch die Musik. Mein Ehrgeiz ist es, der Musik möglichst nahezustehen, nie aufzuhören, sie weiterzuentwickeln und damit vielleicht auch eines Tages andere mit zu beeinflussen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich in der Zukunft wieder ganz andere Dinge tue, immer auf dem musikalischen Sektor natürlich; Filmmusik zum Beispiel - ein Gebiet, das mich unheimlich reizt,”

“Viele Leute werfen der elektronischen Musik immer wieder vor, sie sei kalt, steif und tot. Was meinst du dazu?”

Bill Leeb : “Nun, als erstes musst du dir bewusst sein, aus welcher Ecke diese Meinungen, ja Anschuldigungen kommen. Viele Rocker der alten Garde haben null Ahnung von Technik und sind zufrieden mit sich selbst und der Welt, wenn sie auf ihrer Gitarre ein paar einfache Akkorde klimpern können. Elektronische Instrumente sind viel komplizierter. Viele Leute fürchten sich nachwievor vor Computern, weil sie sie nicht verstehen oder weil sie nie in das Bestätigungsfeld der Computer eingearbeitet wurden. Also stehen sie diesen modernen Musikmaschinen ratlos gegenüber und haben keinen blassen Schimmer, wie sie zu bedienen wären. Normalerweise, wenn Leute eine Sache nicht verstehen, dann helfen sie sich selbst  damit am besten, in dem sie dieses “etwas” runtermachen. Für mich ist der Rock´n´Roll zu nachsichtig mit den vielen, endlosen Gitarren-Solis und Rock-Songs klingen für mich irgendwie alle gleich. Electronic Sound klingt nur dann steif, wenn jemand nicht damit umgehen kann. Natürlich gibt es wie überall sonst auch, gute und schlechte Electronic Bands.”

“Was denkst du über diese Post-Mortem-Music, Gruft-Sound etc.?”

Bill Leeb : “Diese Art von Musik gibt es nun schon so lange, wahrscheinlich zu lange, dass sie mittlerweile fast ausgestorben ist. Die Absicht dahinter war bestimmt gut, aber die meisten Leute kümmern sich heute um andere Dinge, haben sich weiterentwickelt. Der Tod bestimmt einen Grossteil unseres Lebens, aber ich denke, dass über lange Zeit dem Tod zu grosses Gewicht beigemessen wurde. Irgendwie ist es völlig verständlich und war es auch voraussehbar, dass die Leute nun etwas anderes wollen. Niemand möchte doch wirklich sterben. Ausserdem braucht der Mensch ja auch mal Abwechslung. Niemand sollte den Tod bekämpfen, aber meiner Meinung nach ist es weitaus wichtiger, das beste aus dem Leben zu machen, als sich dauernd Gedanken über den Tod zu machen.

“Wie würdest du einem Menschen eure Musik umschreiben, der sie noch nicht gehört hat?”

Bill Leeb : “Musik, die dich vom höchsten Glücksgefühl bis in die schwärzesten Depressionen bewegen kann .... .”

 

 

Interview von 1992 :

 

“Das neue Album klingt wesentlich anders als sämtliche Vorgänger. Wie kam es zu diesem krassen Stilwechsel?”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Tja, man wir halt älter und gesetzter ... !”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Jedes unserer Alben ist anders als die vorangegangenen. Wir suchen ständig nach neuen Sounds.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Diesmal wollten wir bewußt sehr langsame Songs konstruieren. Ich denke dass “Tactical Neural Impact” zugänglicher ist als “Caustic Grip”. “Caustic Grip” lässt sich nur dann wirklich geniessen, wenn man in der richtigen Stimmung dafür ist, sich abreagieren will. Unsere neue CD ist etwas, was man auch mal nachts in einer ruhigen Stimmung hören kann.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Von der ganzen Stimmung her wollten wir weg von Dancefloortracks, die gerade aktuell sind. “Industrial” ist auch so abgenutzt ... .”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Ich kann keine Platten mehr hören, die sich etwa so anhören : “Grrrck - pfff - schhhh - grrrck etc”. Cevin (Key) und ich haben solches Material zusammen produziert, in unserer Anfangsphase - das war vor elf Jahren. Und irgendwann hängt es einem sozusagen aus den Ohren heraus, dann muss sich etwas ändern. Vielleicht verlieren wir einige Fans durch den Stilwechsel, aber es kommen bestimmt auch neue dazu. Ich kenne diverse Bands, die machen sechs Platten, und wenn man die ersten drei gekauft hat, braucht man sich um den Rest nicht mehr kümmern, weil es eh immer dasselbe ist. Wenn man unsere ersten beiden Platten hört und dagegen das neue Material ... . Es ist nicht einmal dieselbe Besetzung, sondern etwas völlig anderes, und das ist wichtig.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Unsere neue Platte spiegelt ein viel größeres Spektrum an Emotionen wieder als die anderen Produktionen.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Es ist schwieriger, etwas gefühlvolles zu produzieren als eine harte, krachige Platte. Man muss sich mehr öffnen und wird plötzlich viel verletzlicher. Es ist einfacher, eine verzerrte Stimme gross aufzublasen und sich die Seele aus dem Leib zu schreien über Tod, Hass und “das interessiert mich einen Scheissdreck”: Früher brauchte ich das als Selbstschutz - ich konnte mich gut dahinter verstecken.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Alles das, wofür “Industrial” einmal stand, hat sich abgenutzt. Mit unserer Musik hat das nichts mehr zu tun. Es schockiert auch niemanden mehr, es ist nur noch langweilig.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “”Techno” ist ein heikler Begriff. Ich meine, was heisst das schon? Jeder benutzt Technik im Studio, selbst Bruce Springsteen. Ich denke allerdings, dass wir mehr Spaß daran haben, da wir alle Instrumente selber spielen können.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Wissen wir noch nicht ... .”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Es gibt einfach keinen Grund dafür. Wenn wir wie R.E.M. klingen wollten, ergäbe es vielleicht Sinn, aber so ... nein. Für eine Crossover-Geschichte würden wir eine völlig neue Band ins Leben rufen.”

“Wie wird eure Musik in Kanada aufgenommen im Vergleich zu den USA und Europa?”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “In Kanada rührt sich kaum etwas, es gibt einfach zu wenig Menschen in diesem Land. Montreal und Toronto sind nicht übel, was das Publikum betrifft. Amerika und Europa sind etwa auf dem selben Level, was das Publikum betrifft. Das US-Publikum ist allerdings wesentlich wilder als das europäische. In Europa sind die Leute ausgesprochen reserviert, teilweise entsetzlich ernst.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “In London können die Leute ziemlich ausflippen. Wenn man das Glück hat, die Hip-Band des Monats zu sein, gibt es kein Halten mehr. Man muss sich nur auf die Bühne stellen, man braucht nichts zu tun. Das Publikum findet es auf jeden Fall toll.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Die Jahreszeit ist aber auch sehr wichtig ... .”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Dänemark ist sehr merkwürdig, ebenso Deutschland. Jeder ist darauf bedacht, die richtige Attitude hervorzuheben und gut gestylt zu sein.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Andererseits ist auch das ganz lustig zu den USA, wo nichts ohne Drogen geht in der Musikszene. In Skandinavien und Deutschland scheinen die Kids so gut wie keine Drogen zu konsumieren. Cevin (Key) erzählte mir, dass er in Schweden einen Konzertbesucher nach einem Joint fragte, und er wurde ungläubig angestaunt.”

“Gerade Vancouver hat den Ruf, einer der größten Drogenumschlagplätze Nordamerikas zu sein. Spielen Drogen für euch eine Rolle?”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Seit fünf Jahren nicht mehr. Ich rauche ab und zu mal eine Zigarette oder trinke mal ein Bier, aber sonst - kein Interesse.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Es ist ganz interessant, mit Hilfe von Chemikalien Teile des Gehirns kennenzulernen, von dem man ohne Drogen nie etwas erfahren würde. Aber wenn man herausgefunden hat, dass es sie gibt, sollte man sich lieber um das Potential kümmern, das sozusagen naturgegeben vorhanden ist.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Apropos ... wo wir gerade von den USA sprachen ... (Bill wühlt in einem Zeitschriftenstapel und gräbt nach längerem Suchen eine Faxnachricht aus.) ... das hat uns eine amerikanische Zeitschrift geschickt. Trent Reznor ist in einem Nine Inch Nails-Interview über uns hergezogen, und jetzt schicken sie uns eine Entschuldigung.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Warum tut er so etwas? Wir kennen Reznor nicht einmal persönlich.”

“Tja, dafür habe ich leider auch keine Erklärung. Aber wo wir gerade in der Abteilung “Lästern” sind : Was haltet ihr von den ganzen Technohouse-Eintagsfliegen, die derzeit den Markt überschwemmen und nach wenigen Wochen gänzlich von der Bildfläche verschwunden sind?”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Das berührt uns wenig. Grundsätzlich ist es schade, dass dadurch die ganze Musikrichtung so abgewertet wird. Die großen Plattenfirmen schneiden sich halt ein gewaltiges Stück vom Kuchen ab, und es ist schon ärgerlich, wenn man mitbekommt, wie eine Gruppe ein Stück ruck-zuck zusammenzimmert und damit auch noch einen Hit landet. Wir arbeiten wirklich sehr lange und feilen solange daran, bis wir wirklich zufrieden sind. Ach, wir sind überhaupt das bestgehüteste Geheimnis, seit es Techno gibt! - Das hat allerdings ein US-Journalist behauptet, das stammt nicht von uns.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Wenn man eine Weile im Geschäft ist, sein eigenes Ding macht und auch noch Spaß dabei hat, ist es ziemlich egal, was sonst noch auf dem Markt läuft. Auf jeden Fall hat man seinen sicheren Platz dort.”

Bill Leeb / Front Line Assembly : “Ich glaube, hier zeigt sich, wie wichtig der Gesang für eine Gruppe ist. Wenn man von einer Madonna-Platte den Gesang löschen würde, klänge sie wie eine x-beliebige Rave-Platte, die derzeit in Europa auf dem Markt ist. Jede Plattenfirma wird der Theorie beipflichten, dass der Gesang das wichtigste Element ist. Die Musik ist zweitrangig. Jeder Hit hat eine Hook-Line, die im Gedächtnis haften bleibt. Wenn man eine ganze Nacht nur Rave- und House-Musik  hört, erinnert man sich doch an keine einzigen speziellen Titel. Die Bands, die einen markanten Gesang haben, bleiben dagegen präsent. Man assoziiert automatisch ein Gesicht damit.”

Rhys Fulber / Front Line Assembly : “Erst wenn es eine technische Möglichkeit gibt, das künstlerisch zu reproduzieren, sind wir wirklich in Schwierigkeiten.”

 

 

 

 

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